90er-Attitüde und einem Sound, der Zeit zum Reinhören braucht – alle Details in der Albumrezension!
Mit Britpop meldet sich Robbie Williams vor wenigen Tagen mit einem Album zurück, das programmatisch auf britische Poptradition setzt – musikalisch wie ästhetisch. Der Titel ist dabei weniger Marketingbegriff als Haltung: Klarheit, Songorientierung und eine bewusste Abkehr von überladener Stadiondramaturgie. Musikalisch ist das Album klar gitarrenlastig angelegt. Die Arrangements sind kompakt, strukturiert und poplastig, werden jedoch immer wieder von feinsinnigen Streicheransätzen ergänzt. Diese verleihen den Songs emotionale Tiefe, ohne sie in Pathos zu ertränken.
Große, sofort zündende Hymnen fehlen – ein Umstand, der nicht als Schwäche, sondern als konzeptionelle Entscheidung gelesen werden kann. Britpop setzt nicht auf den einen dominanten Hit, sondern auf das Zusammenspiel vieler Stücke. Stilistisch zeigt sich das Album vielfältig, ohne sich in Spielereien zu verlieren. Verschiedene klangliche Farben werden angedeutet, aber durchaus sauber ausgearbeitet und konsequent zu Ende gedacht. Alles wirkt klar, kontrolliert und bewusst reduziert – ein Album, das sich Zeit nimmt und diese Zeit auch vom Hörer einfordert.
Der rote Trainingsanzug, der Williams aktuell regelmäßig begleitet, ist mehr als ein Hinweis. Er spiegelt die Reise zurück in die 90er auch optisch perfekt wider und verankert das Album deutlich im kulturellen Selbstverständnis des klassischen Britpop.

Fazit:
Für Fans von Robbie Williams ist es ohne Frage ein Muss. Für alle anderen ein Kann – mit der Einschränkung, dass sich der Zugang nicht immer sofort erschließt. Wer jedoch eine Weile reinhört, entdeckt ein Werk, das durch Klarheit, musikalische Feinheit und britischen Pop-Charakter überzeugt.
Der Vogtlandstreicher verleiht 3 von 5 Streichern

Konzertbericht: „Let Me Entertain You“ – Robbie Williams zündet in Leipzig ein glitzerndes Brit-Pop-Feuerwerk
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Robbie Williams “Britpop”: Klarheit statt Effekt – Rückkehr zur britischen Pop-DNA

