Nachrichten VogtlandPlauener Straßenbahn: Stadt Plauen und Vogtlandkreis wollen Weichen gemeinsam stellen

Mit einem abgestimmten Konzept verfolgen Stadt und Vogtlandkreis ein gemeinsames Ziel – die langfristige Stabilisierung von Straßenbahn- und Busverkehr. Dabei wird deutlich, dass alle Partner eng zusammenarbeiten wollen. “Wenn wir jetzt nicht handeln, dann bedeutet es für 2027 für die Plauener Straßenbahn die Insolvenz”, sagt Plauens Oberbürgermeister Steffen Zenner und fügt an, dass man dieses Mal nicht gegeneinander, sondern miteinander agiere.

In den vergangenen Monaten habe man intensiv an einem tragfähigen Modell gearbeitet, das den Personennahverkehr (ÖPNV) zumindest mittelfristig sichern soll. Ausgangspunkt war ein Beschluss des Kreistages aus dem Vorjahr, gemeinsam eine zukunftsfähige Lösung zu entwickeln.

Ziel sei es, die Straßenbahn zu erhalten, bestehende Strukturen zu festigen und zusätzliche Effizienzpotenziale zu erschließen. Für die Umsetzung sei jedoch nicht nur die regionale Zusammenarbeit entscheidend – auch die Unterstützung des Freistaates Sachsen spiele eine zentrale Rolle.

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Klare Struktur: Zukunft für Straßenbahn Plauen und Busverkehr

Ein wesentlicher Bestandteil des Modells betrifft die organisatorische Neuaufstellung. Die Plauener Straßenbahn bleibt vollständig im Eigentum der Stadt. Gleichzeitig soll der Busverkehr ab dem 1. Januar 2027 über den Plauener Omnibusbetrieb abgewickelt werden, der dem Zweckverband Öffentlicher Personennahverkehr Vogtland angehört.

Diese Neuordnung soll nicht nur die Abläufe optimieren, sondern auch den Beschäftigten stabile Perspektiven bieten. Die Verantwortung für Infrastruktur und Betriebshof verbleibt weiterhin bei der Stadt. Die 14 Busfahrerinnen und Busfahrer werden über die Stadt angestellt. Überbrückend für ein Jahr bedeute das zwar ein geringerer Verdienst, jedoch den Erhalt der Stelle.

Der Service-Point an der Zentralhaltestelle “Tunnel” soll geschlossen werden. Das allein spare 214.000 Euro ein. Das Personal soll für das Servicecenter am Oberen Bahnhof übernommen werden. Marketing und Öffentlichkeitsarbeit sollen in die Verkehrsverbund Vogtland GmbH integriert werden.

Bereits ab dem 1. August 2026 ist eine erste Erhöhung der Beförderungstarife vorgesehen. Für einen Einzelfahrschein bedeutet das eine Erhöhung von 1,90 Euro auf 2,10 Euro. Die nächste Erhöhung sei dann für 2027 angedacht.

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Foto: Stadt Plauen – Landrat Thomas Hennig und Oberbürgermeister Steffen Zenner

Landrat Thomas Hennig sagt dazu:

Finanzierung des ÖPNV Plauen: Gemeinsame Verantwortung

Zur dauerhaften Stabilisierung des Systems ist vorgesehen, das bestehende strukturelle Defizit in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro künftig gemeinsam zu tragen. Stadt Plauen, Vogtlandkreis und der Freistaat Sachsen sollen jeweils einen Anteil von rund 1,5 Millionen Euro übernehmen. Zusätzlich laufen aktuell jährliche Finanzausgleichszahlungen des Vogtlandkreises in Höhe von 1,32 Mio. EUR. Geplant ist, dies auf 1,5 Mio. Euro zu erhöhen. Diese Dynamisierung soll der Kreistag in seiner kommenden Sitzung beschließen. Hinzukommen Zuschüsse des Zweckverbandes in Höhe von rund 1,5 Mio. Euro pro Jahr.

Ein geplanter Vertrag zwischen Stadt und Landkreis mit einer Laufzeit von zehn Jahren soll die Basis bilden. Beschlüsse im Kreistag sowie dem Stadtrat sollen im Juni 2026 getroffen werden. Vorher müsse es aber ein positives Signal aus Dresden geben. Das stehe bisher aus.

Hintergrund: Tradition und Herausforderungen der PSB Plauen

Die Plauener Straßenbahn GmbH betreibt ein rund 34,5 Kilometer langes Liniennetz und prägt seit 1894 den Nahverkehr in Plauen. Seit dem Verlust der Kreisfreiheit im Jahr 2009 liegt die Zuständigkeit grundsätzlich beim Vogtlandkreis, während die Stadt weiterhin als Aufgabenträger fungiert.

Steigende Kosten im Personal- und Infrastrukturbereich setzen das System zunehmend unter Druck. Ohne strukturelle Anpassungen droht der Gesellschaft ab 2027 die Insolvenz – ein Szenario, das durch das nun vorgelegte gemeinsame Modell verhindert werden soll.

Investitionsstau spielt zusätzliche Rolle

Nicht zu vernachlässigen sei außerdem der Investitionsstau. Zu lange habe man nicht gebaut und investiert. Mindestens zusätzliche 10 Millionen Euro müssten kurzfristig in die Erneuerung der Gleisinfrastruktur sowie die elektrischen Anlagen gesteckt werden. Sichere man aber den Erhalt grundsätzlich, sei es laut Oberbürgermeister Steffen Zenner auch leichter Fördermittel zu beantragen.

Außerdem müsste man laut PSB-Geschäftsführer Karsten Treiber neue Bahnen anschaffen. Eine sei mit rund 4,5 Millionen Euro zu veranschlagen. Derzeit verfüge man über neun Niederflurbahnen und 14 Tatrafahrzeuge. Derzeit seien 14 Bahnen im regulären Einsatz. Das älteste einsatzbereite Modell sei Baujahr 1981, das neueste Baujahr 2017.

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