Die Plauener Straßenbahn steht vor einer ihrer größten Bewährungsproben seit Jahrzehnten. Während Stadt Plauen und Vogtlandkreis ihren politischen Willen zum Erhalt des Systems öffentlich bekräftigen, spitzt sich parallel die wirtschaftliche Lage der Plauener Straßenbahn GmbH weiter zu. Spätestens bis Sommer 2026 muss eine tragfähige Finanzierungslösung gefunden werden.
Landrat Thomas Hennig und Plauens Oberbürgermeister Steffen Zenner haben in einem gemeinsamen Treffen betont, dass der weitere Prozess im Schulterschluss, transparent und ergebnisoffen gestaltet werden soll. Ziel ist es, nicht kurzfristig Zeit zu gewinnen, sondern ein dauerhaft tragfähiges Modell für den öffentlichen Personennahverkehr in Plauen und im Vogtland zu entwickeln.
Konkret wurde vereinbart, bestehende Finanzierungs- und Organisationsmodelle umfassend zu prüfen und weiterzuentwickeln. Parallel dazu sollen Prüfaufträge mögliche Synergie- und Entlastungspotenziale identifizieren. Im Fokus stehen dabei insbesondere die organisatorischen Schnittstellen zwischen Stadt, Landkreis, Zweckverband und Verkehrsunternehmen.

Warum die Plauener Straßenbahn in Schieflage geraten ist
Die wirtschaftliche Krise der Plauener Straßenbahn ist kein plötzliches Ereignis, sondern das Ergebnis jahrelanger struktureller Probleme. Steigende Kosten, eine chronische Unterfinanzierung und aufgeschobene Investitionen haben die Lage Schritt für Schritt verschärft.

Die jährlichen Zuschüsse der Stadt Plauen reichen seit Jahren nicht aus, um die laufenden Ausgaben für Personal, Energie, Wartung und Verwaltung vollständig zu decken. Rücklagen konnten kaum gebildet werden. Bereits moderate Kostensteigerungen – etwa bei Strom oder Löhnen – führen daher unmittelbar zu finanziellen Engpässen.
Als vergleichsweise kleine Stadt betreibt Plauen ein vollständiges Straßenbahnsystem mit Gleisen, Weichen, Stromversorgung und Betriebshof. Diese Infrastruktur verursacht hohe Fixkosten – unabhängig davon, wie viele Fahrgäste tatsächlich unterwegs sind. Im Vergleich zu größeren Städten liegen die Kosten pro Fahrgast deutlich höher, was die Wirtschaftlichkeit zusätzlich belastet.
Investitionsstau über viele Jahre
Über einen langen Zeitraum wurden notwendige Investitionen verschoben. Teile der Gleisanlagen, der Stromversorgung und des Fahrzeugparks gelten inzwischen als technisch überaltert. Umfangreiche Erneuerungen sind unumgänglich. Der daraus resultierende Investitionsbedarf übersteigt jedoch die finanziellen Möglichkeiten des Unternehmens und der Stadt deutlich.
Mit rund 7,4 Millionen Fahrgästen pro Jahr ist die Nachfrage für ein schienengebundenes Verkehrssystem vergleichsweise niedrig. Deshalb wurde auch ein vollständiger Umstieg auf einen reinen Busbetrieb diskutiert. Recherchen zeigen jedoch, dass eine solche Systemumstellung Kosten in zweistelliger Millionenhöhe verursachen würde – unter anderem für den Rückbau der bestehenden Infrastruktur, neue Fahrzeuge sowie Lade- und Betriebseinrichtungen. Ein Aus der Straßenbahn wäre damit kein automatisches Sparmodell.
Landesebene als möglicher Schlüssel
Vor diesem Hintergrund wollen Landrat und Oberbürgermeister zeitnah das Gespräch mit der zuständigen sächsischen Staatsministerin für Infrastruktur und Landesentwicklung suchen. Ziel ist es, darzustellen, welche finanziellen Rahmenbedingungen auf Landesebene erforderlich wären, um den Fortbestand des Straßenbahnsystems zu sichern.
Erst wenn hierzu belastbare Zusagen des Freistaates vorliegen, soll den politischen Gremien von Stadt und Landkreis im April 2026 ein Gesamtkonzept vorgelegt werden. Auf dieser Grundlage sollen anschließend die notwendigen Beratungen und Beschlüsse erfolgen.
Mehr als Zahlen: Die emotionale Bedeutung der Straßenbahn
Für viele Bürgerinnen und Bürger ist die Straßenbahn jedoch mehr als ein Rechenmodell. Sie ist Teil des Stadtbildes, Alltagsverkehrsmittel, Identifikationspunkt und Stück Heimat. Das zeigt auch die breite Unterstützung aus der Bevölkerung: Mit der Petition „Rettet die Plauener Straßenbahn“ wurden rund 21.000 Unterschriften gesammelt.
Diese Unterstützung ersetzt keine Finanzierung – sie macht jedoch deutlich, welchen Stellenwert die Straßenbahn für viele Menschen hat und wie hoch die Erwartungen an Politik und Verwaltung sind.
Noch ist keine endgültige Entscheidung gefallen. Doch die Uhr tickt. Die kommenden Monate werden entscheidend für die Zukunft der Plauener Straßenbahn und für die Ausgestaltung des öffentlichen Nahverkehrs in Plauen und im Vogtland. Ob es gelingt, wirtschaftliche Vernunft und emotionale Bindung zusammenzuführen, wird sich zeigen.
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Plauener Straßenbahn: Ein Verkehrssystem mit Geschichte und hoffentlich einer Zukunft
