Titelfoto: Stadt Plauen
Der 1969 in Wien geborene und dort lebende Comic- und Cartoon-Zeichner Nicolas Mahler wird 2026 mit dem e.o.plauen Preis ausgezeichnet. Als 11. Preisträger bestätigt er, dass zeitgenössischer Minimalismus die Tradition der Zeichenkunst nicht nur bewahrt, sondern erneuert.
Der e.o.plauen Preis wird im dreijährigen Rhythmus vergeben und ist mit 6000 Euro dotiert. Hinzu kommt eine Kleinplastik des Plauener Künstlers Hannes Schulze: ein Notizblock mit Bleistift – eine Form, die Mahlers extrem reduzierten Strich spiegelt. Seine Zeichnungen fangen skurrile Charaktere ein, mit marginalem Humor, präzise gesetzt, nie erklärend, immer treffend.

Wer ist Nicolas Mahler?
Nicolas Mahler zählt zu den markantesten Stimmen der europäischen Comicszene. Der österreichische Comiczeichner, Illustrator und Autor ist international bekannt für seinen radikal reduzierten Zeichenstil und seinen trockenen, oft absurd-existenzialistischen Humor. Seine Arbeiten bewegen sich zwischen Literaturadaption, Alltagsbeobachtung und kunsttheoretischer Satire – stets minimalistisch, präzise und mit großer Wirkung auf kleinstem Raum.
Schon früh entwickelte er ein Interesse an Zeichnung und Literatur. Anders als viele klassische Comiczeichner kam er nicht aus der Superhelden– oder Karikaturtradition, sondern näherte sich dem Medium über Grafikdesign, Illustration und literarische Texte.
In den 1990er-Jahren begann er, regelmäßig Comics und Cartoons in Magazinen und Zeitungen zu veröffentlichen. Schnell kristallisierte sich sein unverwechselbarer Stil heraus: extrem reduzierte Figuren mit langen Armen und Beinen, winzigen Köpfen und viel Weißraum. Diese visuelle Askese wurde zu seinem Markenzeichen.
Sein Durchbruch gelang ihm mit eigenen Comicbänden sowie Beiträgen für internationale Verlage. Heute lebt und arbeitet Mahler in Wien und ist fester Bestandteil von Comic-, Literatur- und Kunstfestivals im deutschsprachigen Raum und darüber hinaus.
Der typische Mahler-Stil: Minimalismus mit Tiefgang
Mahler ist berühmt für eine Ästhetik, die auf das absolute Minimum reduziert ist:
- klare Linien statt Details
- einfache Formen statt realistischer Anatomie
- knappe Dialoge, oft nur wenige Worte pro Seite
Gerade diese Reduktion erzeugt Raum für Interpretation. Seine Geschichten handeln häufig von Einsamkeit, Kreativität, Kunstbetrieb und den kleinen Absurditäten des Alltags. Humor entsteht weniger durch Pointen als durch Timing, Pausen und visuelle Komposition. Kritiker vergleichen Mahlers Ansatz oft mit literarischem Minimalismus – nur eben in Comicform.
Literatur als Comic: Mahlers besondere Adaptionen
Ein zentrales Element seines Werks sind grafische Auseinandersetzungen mit großen Autoren der Weltliteratur. Dabei geht es Mahler nicht um klassische Nacherzählungen. Stattdessen destilliert er Motive, Stimmungen und Denkweisen dieser Schriftsteller in pointierte Bildfolgen. Seine Kafka-, Bernhard- und Musil-Versionen funktionieren wie ironische Kommentare zur Originalvorlage – respektvoll, aber stets mit einem Augenzwinkern.
Nicolas Mahler wurde mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Max-und-Moritz-Preis, einer der wichtigsten Ehrungen für Comic-Kunst im deutschsprachigen Raum. Seine Arbeiten werden regelmäßig in Ausstellungen gezeigt und finden Eingang in universitäre Diskussionen über Graphic Novels und visuelles Erzählen.
Veröffentlichungen in 19 Ländern, regelmäßige Beiträge für das Satiremagazin Titanic (seit 2006), Trickfilm-Adaptionen der „Flaschko“-Comics sowie Bühnenfassungen wie „Kratochvil“ belegen die Vielseitigkeit seines Werks. Seit 2024 ist er zudem künstlerischer Leiter der Schule für Dichtung in Wien.
Preisverleihung und Ausstellung
Am 12. September um 17 Uhr findet die Preisverleihung mit Ausstellungseröffnung in der Galerie im Malzhaus statt. Seit 1995 würdigen Stadt Plauen und e.o.plauen-Gesellschaft mit dem Preis das Andenken an Erich Ohser und ehren zugleich Künstlerinnen und Künstler, die seine Tradition fortsetzen. Als „Oscar der Cartoonisten“ steht die Auszeichnung für Karikatur, Cartoon, Pressezeichnung und Buchillustration – und für den Mut zur Reduktion, wenn sie Bedeutung schafft.
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Nicolas Mahler erhält den e.o.plauen Preis 2026 – Minimalismus mit maximaler Wirkung

