Nachrichten VogtlandLucy van Kuhl: “Ich kann auf der Bühne all das ausleben, was mir wirklich am Herzen liegt.”

Titelfoto: Radlwimmer
Klavier, kluger Witz und ein feines Gespür für Zwischentöne – Lucy van Kuhl bewegt sich mühelos zwischen Musik und Kabarett. Akademisch geprägt von Germanistik, Geschichte und Musikwissenschaft in München sowie einem parallelen Klavierstudium in Linz, führte ihr Weg zunächst tief in die klassische Musik: als Teil eines Duos mit ihrem Bruder, als Begleiterin namhafter österreichischer Schauspieler und Schauspielerinnen und auf Tourneen quer durch Deutschland.

Seit 2015 jedoch verbindet sie all diese Erfahrungen zu etwas ganz Eigenem: Musikkabarett und Liedkunst, die klug beobachtet, berührt und punktgenau wirkt. Ihre Mutter stammt aus Aue in Sachsen, ihr Vater – der Musikkritiker war – aus der Eifel. Ihre Lebensmittelpunkt wechseln zwischen Südfrankreich, Berlin und irgendwie immer irgendwo unterwegs.

Heute Abend ist Lucy van Kuhl im Rosenthal Theater in Selb zu erleben, am 19. März 2026 steht sie auf der Bühne im Plauener Malzhaus. Im Interview erzählt die gebürtige Kölnerin mehr:

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Words and Wonders

Allein mit einem Klavier auf der Bühne – ist das eher Freiheit oder eher Risiko?

Für mich ist das ganz klar Freiheit. Ich kann auf der Bühne all das ausleben, was mir wirklich am Herzen liegt: meine lustigen Ideen genauso wie meine sarkastischen, aber auch die emotionalen Seiten. Nach so einem Abend fühle ich mich sehr bei mir selbst. Besonders schön ist es, wenn das auf das Publikum überspringt – wenn die Menschen lachend, manchmal auch mit einem kleinen Tränchen nach Hause gehen und sagen: Das hat mich berührt.

Wie entsteht ein Lied: erst die Pointe, erst die Musik oder erst der Ärger über etwas?

Ich habe kein festes Schema. Aber die Lieder entstehen meist zuerst, dann überlege ich mir was ein relevanter roter Faden sein könnte und dann muss man die Moderation dazwischen ja noch passend machen. Manchmal habe ich schon die Worte im Kopf, manchmal fange ich an zu schreiben und weiß noch nicht wo es hinführt. Oft verändert sich während des Schreibens sogar noch der Titel oder der Fokus.

Wann ist klar: Aus einem Gedanken wird wirklich ein Programm?

Ich plane das nicht bewusst. Eigentlich fange ich mit neuen Liedern schon kurz nach einer Premiere an zu schreiben. Ich weiß, dass es ungefähr zwölf Stücke braucht, damit ein Abend in zwei Teilen gut funktioniert.

Gibt es Themen, bei denen Sie bewusst vorsichtig sind, obwohl sie sich anbieten würden?

Ja, Politik im klassischen Sinn. Ich kenne mich darin nicht gut genug aus und überlasse das lieber Kolleginnen und Kollegen, die darin wirklich sattelfest sind. Mein Zugang ist eher gesellschaftskritisch und emotional. Ich glaube, wenn man Menschen berührt und nachdenklich macht, kann das genauso Wirkung entfalten – ohne plakative Statements. Alles unter der Gürtellinie ist außerdem nicht mein Ding.

Gibt es Reaktionen, die Sie heute mehr berühren als Applaus?

Ja. Eine ältere Frau hat mir einmal nach der Vorstellung gesagt: „Ich habe mich in der Pause mit meinen Freundinnen gefragt: Woher weiß sie eigentlich, wie wir uns fühlen?“ Das hat mich sehr bewegt. Gerade ältere Menschen fühlen sich oft wenig gesehen, und wenn sie sich durch meine Lieder wahrgenommen fühlen, bedeutet mir das viel. Auch Standing Ovations sind natürlich schön – aber entscheidend ist für mich das Gefühl, dass im Publikum wirklich etwas passiert. Das nehme ich auch sehr genau wahr. Ich wünsche mir, dass sie sich berührt fühlen und etwas für sich mitnehmen – einen Gedanken, ein Gefühl, vielleicht auch einfach ein bisschen Wärme. Viele kommen nach der Show noch zu mir und erzählen, was der Abend bei ihnen ausgelöst hat. Das ist für mich die größte Motivation.

Wann haben Sie zuletzt auf der Bühne über sich selbst gelacht?

Das passiert immer mal wieder. Zum Beispiel, wenn ich mich verhasple, etwas falsch ankündige oder das Publikum spontan reagiert. Einmal habe ich bei der Zugabe gesagt: „Ich singe jetzt ein Lied“ – obwohl ich den ganzen Abend schon gesungen hatte. Oder kürzlich sang ich die Zeile: “Ziehst du bei mir ein?” und aus dem Publikum rief ein Zuschauer ganz laut “Ja”. Natürlich musste ich da wirklich lachen. Solche Momente und die Interaktion mit dem Publikum lasse ich zu.

Was ist das Unpraktischste daran, gleichzeitig Musikerin und Kabarettistin zu sein?

Ganz klar: das Reisen. Vor allem mit der Deutschen Bahn. Die Unzuverlässigkeit, das viele Umsteigen – das ist wirklich nervig. Das war mir ja auch ein Lied wert. Alles andere liebe ich: das Schreiben, die Bühne, den Kontakt mit dem Publikum.

Nachgefragt bei…Lucy van Kuhl
Lieblingsessen: …alles mit Paste
Lieblingsmusik: …ich mag klassische Musik, aber auch die deutscher Liedermacher
Lieblingswort: genau
Lieblingsort: …mein Wohnort in Südfrankreich
Lieblingsmoment: …auf der Bühne

Tour-Termine: HIER

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