Kraftklub “Sterben in Karl-Marx-Stadt”: Release-Konzert zum neuen Album im Vogtland

Ein Werk das man nicht nebenbei hören kann – alle Details in der Albumrezension!

Titelfoto: P. Gladsome
Wenn ein Winterabend im Vogtland plötzlich zum Zentrum der deutschen Indie-Szene wird, dann steckt meist ein Funke Unberechenbarkeit dahinter – und kaum eine Band kultiviert diesen so konsequent wie Kraftklub. Während viele Fans damit rechneten, die Veröffentlichung des neuen Werks in Chemnitz oder Leipzig zu feiern, verschob sich der pulsierende Herzschlag des Release-Tages in einen kleinen Ort, der sonst eher durch Ruhe als durch Rock auffällt.

In Drochaus öffnete Oskar Pögl am Freitagabend seinen Bierseitenhof – eine ländliche Kulisse, die sich unverhofft in ein Festivalgelände für rund 200 Menschen verwandelte. Hier fanden sich jene ein, die wissen: Kraftklub bleiben immer für eine Überraschung gut.

Tracks wie „Ein letztes Mal“, „Unsterblich“, „Marlboro Mann“, „So rechts“, „Fallen in Liebe“, „Fahr mit mir“, „Chemie Chemie Ya“ und ein halbes Dutzend weitere Nummern hallten über den Hof. Und ja, obwohl einige Titel erst seit ein paar Stunden öffentlich zu hören waren, konnten Einige schon alles mitsingen.

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Mit „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ beweisen Kraftklub einmal mehr, dass sie ihren Finger tief in die Wunden der Gesellschaft legen wollen. Musikalisch bleibt die Band ihrem unverwechselbaren Mix treu. Treibender Indie-Rock, durchtränkt mit einer deutlichen Punk-Attitüde und kombiniert mit Hooklines, die sofort im Kopf hängen bleiben. Gleichzeitig schafft die Band Momente, in denen sie die übliche Energie aufbricht und Raum für überraschende musikalische Wendungen lässt.

Auch auf Feature-Ebene wagt Kraftklub neue Schritte. Nina Chuba, Deichkind und Faber setzen Kontraste. Die Lyrik schwankt zwischen Erinnerungsarbeit und dem Gefühl, in eine Zukunft hineinzustolpern, die sich kontinuierlich verändert. Die Chemnitzer Jungs singen von Tod und feiern gleichzeitig das Leben – klingt komisch, funktioniert aber.

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Fazit:

Am Ende steht ein Album, das sich bewusst gegen beiläufiges Hören sträubt. „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ verlangt Aufmerksamkeit und lädt dennoch zum Mitsingen ein. Denn „die Band mit dem K“ macht das, was sie am besten kann: Sie bringt Menschen dazu, „schief in jedem Chor“ mitzusingen, aber bestimmt nicht „Ein letztes Mal“.

Der Vogtlandstreicher verleiht 4 von 5 Streichern

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