Nachrichten VogtlandJosephine Mark: “Ich würde gerne mindestens zehn Comicbücher in zehn verschiedenen Genres machen.”

Titelfoto: Chr. Gundlach
Ernste Themen mit Humor und Empathie zu verbinden ist schon eine Kunst – das dann auch noch zu zeichnen noch viel mehr. Am 5. März um 17 Uhr begrüßt die Galerie e.o.plauen eine spannende Stimme der deutschen Comicszene zur Lesung: Josephine Mark.

Die 1981 in Naumburg geborene Illustratorin, Comic-Künstlerin und Grafikdesignerin lebt und arbeitet heute in Leipzig und hat sich mit ihren biografisch geprägten, humorvollen und zugleich tiefgründigen Werken einen Namen gemacht.

Mark veröffentlicht seit 2004 Comics, Cartoons und Illustrationen unter dem Label puvo productions und kombiniert spielerisch Alltagsthemen mit philosophischen Fragen. Ihr ausgezeichneter Comic-Roadmovie „Trip mit Tropf“, der von Freundschaft, Mut und Krankheit erzählt, gehört zu den erfolgreichen deutschen Comic-Publikationen und ist seit einiger Zeit Teil der Ausstellung in der Galerie e.o.plauen.

Werbung

WBS Schleiz

Es geht um ein Kaninchen mit Chemotherapie-Tropf und den Wolf, der durch einen Zufall plötzlich Beschützer statt Jäger sein muss. Eine Reise mit Infusionen, schießwütigen Jägern, billigen Motels und der Frage, ob es wirklich nur Pflicht ist, die diese beiden zusammenhält.

Im Interview spricht Josephine Mark über ihren kreativen Prozess, ihre Inspirationen und was ihr wichtig ist:

Wann haben Sie zum ersten Mal gemerkt, dass Zeichnen mehr als nur ein Hobby für Sie ist?

    Das war während meines Studiums und meines ersten Jobs in einer Kultureinrichtung. In dieser Zeit habe ich angefangen, nebenher kleine Grafik- und Illustrationsarbeiten zu machen. Anfangs für Bandprojekte oder Konzerte. Später kamen Buchillustration und Arbeiten für Werbung, Infografiken und so weiter dazu. 2018 habe ich mich dann als Illustratorin selbstständig gemacht.

    Wie verlief Ihr Weg in die professionelle Comic- und Illustrationsszene – eher geplant oder organisch entstanden?

      Irgendwie beides. Ich habe nichts in dem Bereich studiert, habe mich aber dennoch Stück für Stück professionalisiert, Workshops und Weiterbildungen gemacht und viel Energie sowohl in die künstlerischen als auch organisatorischen Belange dieses Jobs gesteckt. Und ich habe immer wieder auch viel Glück gehabt, zur richtigen Zeit die richtigen Menschen zu treffen, die mich unterstützt oder neue Möglichkeiten aufgezeigt haben: meine Agentin, meine Verleger, andere Kunstschaffende oder Menschen, die in irgendeiner Form im Buch- und Kulturbetrieb aktiv sind.

      Ihre Arbeiten verbinden oft Humor mit existenziellen Themen. Ist das eine künstlerische Strategie – oder spiegelt das Ihre persönliche Haltung zum Leben wider?

        Ich denke nicht, dass ich das trennen kann – meine persönliche Haltung fließt natürlich in meine künstlerische Arbeit ein. Und im Gegenzug ziehe ich viel persönlichen und auch sehr praktischen Nutzen aus der künstlerischen Beschäftigung mit bestimmten Themen. Humor ist eine gute Art, sich einem schwierigen Thema zu nähern. Das kann Galgenhumor sein, schwarzer Humor, aber auch ein wirklich von Herzen kommendes Lachen in einer Situation, in der man überhaupt nicht damit rechnet. Und richtig eingesetzt, können gegensätzliche Emotionen einander auch verstärken und einer Geschichte und den Figuren viel mehr Authentizität und Tiefe verleihen.

        Fühlen Sie sich eher als Comiczeichnerin, Illustratorin oder Geschichtenerzählerin?

          Ich würde mich vielleicht am ehesten als „Comickünstlerin“ bezeichnen – das Zeichnen und das Geschichtenerzählen lässt sich für mich nicht trennen. Beim Comic bilden die Bilder ja eine eigene Erzähl- und Bedeutungsebene, viel stärker noch, als bei der Illustration. Als Illustratorin arbeite ich aktuell tatsächlich kaum noch – das heißt ich illustriere keine Texte anderer Autorinnen oder Autoren. Dazu nimmt das Comicmachen in den letzten Jahren einfach zu viel Raum ein in meiner Arbeit.

          „Trip mit Tropf“ basiert auf eigenen Erfahrungen? Was war der Moment, in dem Sie entschieden haben: Daraus mache ich einen Comic?

          Ich habe das Script zu „Trip mit Tropf“ während einer Chemotherapie geschrieben. Eigentlich eher als kleine Beschäftigung und Ablenkung für mich selbst. Ich wollte die Geschichte gerne in Comicform erzählen, einfach weil das Comicmachen für mich eine der schönsten und auch anstrengensten Beschäftigungen ist, die den Kopf wirklich auslastet. Aber für wen und wozu und ob da jemals ein Buch draus werden würde – das war mir zu diesem Zeitpunkt egal.

          Nachrichten Vogtland
          Darstellung: “Trip mit Tropf” von Josephine Mark

          Was war Ihnen beim Erzählen am wichtigsten: Ehrlichkeit, Humor, Hoffnung – oder etwas ganz anderes?

            Trip mit Tropf“ war ja anfangs ein ganz eigennütziges Projekt und diente allein meinem persönlichen Eskapismus. Natürlich steckt viel Selbsterlebtes drin, das ging zu dem Zeitpunkt auch nicht anders, da ja alles ständig um dieses eine Thema „Krankheit“ kreiste. Aber ich wollte auch nicht, dass dieses Thema die komplette Handlung kontrolliert, sondern in erster Linie eine gute Geschichte schreiben, die sowohl inhaltlich und erzähltechnisch, als auch handwerklich überzeugt. Und sie sollte spannend, lustig und auch ein wenig traurig sein.

            Was wünschen Sie sich, dass Menschen nach der Lektüre mitnehmen?

              Das möchte ich den Leserinnen und Lesern am liebsten selbst überlassen. Ich würde mich aber freuen, wenn auch Menschen, die mit Comics oder „schwierigen Themen“ eigentlich nicht so viel am Hut haben, einen Blick riskieren – oder vielleicht sogar mal zu einer Lesung kommen!

              Welche Themen reizen Sie aktuell oder für zukünftige Projekte?

                Thematisch bin ich noch unentschlossen. Ich habe im Januar gerade erst die Arbeit an meinem neuen Comic „RED“ beendet und muss erst einmal durchatmen, bevor ich mich neuen Themen öffne kann. Aber das Genre steht schon so gut wie fest: Nach Western, Abenteuer und Krimi hätte ich große Lust auf einen Science Fiction Comic. Oder einen Agententhriller. Oder beides zusammen… Natürlich wieder lustig und traurig und mit Sicherheit auch wieder die wichtigen Fragen des Lebens umkreisend.

                Gibt es einen Traum oder ein Projekt, das Sie sich künstlerisch unbedingt noch erfüllen möchten?

                  Ich würde gerne mindestens zehn Comicbücher in zehn verschiedenen Genres machen.

                  Wenn Sie eins Ihrer Bücher nennen müssten das jeder einmal in der Hand gehabt haben sollte – welches würden Sie nennen?

                    Ich denke, „Trip mit Tropf“ ist da ein guter Kandidat, weil es ein besonderes Buch für mich ist. Außerdem eignet es sich für Kinder und Erwachsene gleichermaßen und ist auf jeden Fall auch etwas für Comic-Neulinge. Und ich hoffe natürlich, dass es neugierig macht auf meine anderen Bücher.

                    Nachgefragt bei…Josephine Mark
                    Lieblingsessen: …habe ich kein Konkretes. Allerdings habe ich tatsächlich noch nie ein vietnamesisches, veganes Gericht gegessen, dass ich nicht mochte
                    Lieblingsmusik: Vogelgezwitscher
                    Lieblingswort: aufmüpfig
                    Lieblingsort: wahlweise auf dem Sofa oder unterwegs in Wald und Flur – gerne beides gemeinsam mit meinem Hund
                    Lieblingsmoment: morgens aufwachen und merken, dass man heute keinen einzigen Termin hat…
                    Nachrichten Vogtland
                    + posts

                    Seit fast zwei Jahrzehnten die neutrale Stimme im Vogtland. Mit Leidenschaft und Nähe zu Menschen und Themen, auch weit über die Region hinaus. Nah am Puls der Zeit. Und stets mit dem Anspruch, Politik zu lesen, Kunst und Kultur näher zu bringen und am Schleizer Dreieck nicht vom Bike zu fallen.

                    Werbung

                    Vogtland Shop