Nachrichten VogtlandHeldmaschine: “KI und alles was damit zu tun hat, ist für uns beim Produzieren ein absolutes No-Go.”

Titelfoto: Holger Baer
Die Band Heldmaschine wurde 2011 in Koblenz gegründet, nachdem einige Mitglieder der Rammstein-Tribute-Band Völkerball beschlossen hatten, eigene Musik zu schreiben und sich künstlerisch weiterzuentwickeln. Aus diesem Schritt entstand ein Projekt, das schnell eine eigene Identität entwickelte und sich mit kraftvollen Gitarrenriffs, elektronischen Elementen und deutschsprachigen Texten einen festen Platz in der Szene erarbeitete.

Mit mehreren Studioalben und zahlreichen Live-Auftritten haben sich die Musiker inzwischen eine treue Fangemeinde erspielt. Ihre Songs greifen häufig gesellschaftliche Themen auf und verbinden harte Industrial-Klänge mit eingängigen Melodien und einer markanten Stimme.

Am Mittwoch, 18. März 2026, spielen sie ab 20 Uhr im Alten Gasometer in Zwickau. Im Interview sprechen sie über ihre Entwicklung, die aktuelle Tour und welcher Song ihnen gerade besonders am Herzen liegt:

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Ihr seid gerade auf Tour. Was findet ihr daran cool und was nervt vielleicht?

In diesem Moment sitzen wir im Tourbus und fahren (müde aber glücklich) vom ersten Tourblock der 2026er EISZEIT Tour nach Hause. Wien – Memmingen – Regensburg. Das waren echt krasse Strecken. Wenn also etwas nervt, dann sind es vielleicht die langen Fahrten und die lange Zeit, die man auf der Autobahn verbringen muss. Aber krass, da fährst du 1000 km weit irgendwohin, und abends kennt der ganze Laden deine Songs und singt deine Texte mit. Da weiß man, wofür man es gemacht hat. Ein wahr gewordener Traum, immer wieder an neue Orte zu kommen und die eigene Musik in die Welt hinaustragen zu können. Immer spannend, auf die unterschiedlichen Menschen in verschiedenen Regionen und Ländern zu treffen, und es ist eine tolle Sache zu sehen, wie unterschiedlich die Leute an verschiedenen Orten auf die Musik reagieren und diese mit uns feiern.

Was hat sich musikalisch am meisten verändert seit den ersten Veröffentlichungen?

Es war eine großartige Reise seit unserer ersten Veröffentlichung ‚Radioaktiv’ 2012. Seither sind sieben weitere ganze Alben entstanden. Wir haben viele Erfahrungen gesammelt, bewusst die ausgetretenen Pfade verlassen, um neue Wege zu gehen, auch mal komplett elektronische Songs gemacht wie ‚Maschinenliebe’ oder ‚Monoton’. Auf unserem aktuellen Album gibt es den Song ‚Karl Denke’, Titeltrack zum gleichnamigen Film, in dem René sogar seine erste Filmrolle gespielt hat. Es wird alles vielseitiger, facettenreicher und gleichzeitig findet man immer mehr seinen eigen Stil.

Habt ihr ein Ritual vor einem Konzert?

Schminken – Pre-Show-Foto – Abklatschen – Go!

Was muss ein Song haben, damit er es auf ein Album schafft?

Wenn Songs einmal ein gewisses Stadium erreicht haben, dann schaffen sie es auch aufs Album. Es sind ja unsere Babys; also Themen, die uns am Herzen liegen. Wir haben viel Herzblut und Zeit investiert und sie aus dem ursprünglichen Steinblock heraus gemeiselt. Übrigens in ECHT, mit Hammer und Meisel. Es wäre doch schade, wenn sie dann irgendwo liegen blieben. Wir sind nicht so, dass wir 20 Songs produzieren um dann am Ende nur die zwölf besten rauszupicken. Von wegen ‚in ECHT’: KI und alles was damit zu tun hat ist beim Produzieren für uns ein absolutes No-Go. Gleichsam erschreckend wie verlockend, sich in der heutigen Zeit seine Texte und seine Musik einfach von KI schreiben zu lassen. Das kommt für uns nicht in Frage. Was würde das Ganze noch für einen Sinn machen, wenn es nicht aus uns selbst kommen würde. Wir wollen ja keine KI Coverband sein. Natürlich dauert es länger, alles selber zu erarbeiten. Aber wir wollen doch, dass unsere Fans wissen, dass die Musik und Texte von uns kommen und nicht von irgend einer KI auf die sie reinfallen bzw. von der sie sich verarschen lassen sollen. Auch wollen wir als Band das Gefühl auf der Bühne haben, dass unsere Musik echt ist.

Welche Rolle spielt Elektronik im Vergleich zu Gitarren bei euch?

Elektronik ist ein tragendes Element unserer Musik. Eine Spielwiese, auf der wir uns austoben können, eine weitere Möglichkeit, rüberzubringen, was man ausdrücken will, ein Werkzeug, um grosse Sounds zu schaffen, um Sachen zu sagen, die man mit gewöhnlichen Instrumenten nicht sagen kann. Ein Stück Maschine und Zukunft. Und da wir keinen Keyboarder haben, kommen oft Spielweisen zutage, die ein Keyboarder nie so spielen würde. Das ist u.a. auch ein Alleinstellungsmerkmal der Band. Unkonventionelle Sounds und Klangfolgen. Da stehen wir drauf. ;-)

Welche Themen treiben euch aktuell besonders um?

Die Gefahr des Rechtspopulismus auf der Welt und gerade in Deutschland. Allen sollte klar sein, dass, wenn die wieder dran wären, Kunst und Kultur, abgesehen von den Geringverdienern, die dann noch weniger hätten, das erste ist, was darunter leidet. Eben die freie Meinungsäußerung, ob in der Kunst oder auf der Straße. Alles das, was diejenigen, die am meisten jammern, an der momentanen Situation nicht aushalten, obwohl sie Meinungsfreiheit haben. Es ist so leicht, zu spalten und Hass zu schüren. Uns fehlt das Verantwortungsbewusstsein und die Weitsicht aller, die diese viel zu leichtzugänglichen Waffen des Word Wide Webs nutzen.

Was unterscheidet Heldmaschine für euch von anderen Bands des Genres?

Grundsätzlich sind wir keine typische NDH-Band. Dafür haben wir zu viel Soul. Soll heißen: Wer wegen des auferlegten Genres einen Bogen um die Heldmaschine macht, verpasst auf jeden Fall was. Von unseren Fans hören wir oft , dass sie uns mögen, weil wir uns auch mit schwierigen, düsteren oder für die Zeit wichtigen Themen befassen und diesen mit unserer Musik eine Stimme geben.

Welcher Song aus eurer eigenen Discografie bedeutet euch persönlich am meisten – und warum?

Das ist schwer zu sagen. In allen steckt viel Liebe und alle beinhalten Themen, die für uns sehr wichtig sind und bleiben. Vielleicht sogar werden manche Themen grade noch wichtiger und wichtiger. Von daher kann sich die empfundene Wichtigkeit eines Songs bei der momentanen Weltlage durchaus mal verändern.

Welche Musik hört ihr privat, die Fans vielleicht überraschen würde?

Moment, ich frage grad mal rum (wir sitzen ja im Bus… da kann keiner flüchten) Marco sagt Irish Folk, Tobi sagt Deichkind und Dirk sagt Led Zeppelin. Aber generell gilt: Je später die Heimfahrt, desto härter die Musik. Das fängt an bei Slipknot und wenn der Fahrer dann wirklich droht einzuschlafen kommt: „Elektriker“ von Alexander Marcus.

Wenn euch jemand noch nie gehört hat – welchen Song würdet ihr zuerst zeigen und warum?

Das letzte Video was wir produziert haben, gehört zum Song „Meine Welt“. Das ist eine gute Momentaufnahme und auf den Song sind wir grade sehr stolz. Nicht zuletzt, weil in dem Videoviele unserer Fans in Bild und Ton mitgewirkt haben.

Nachgefragt bei…Frontmann René Anlauff
Lieblingsessen: Es war mal grobe Bratwurst, Püree und Rotkohl. Ich esse aber immer weniger bis gar kein Fleisch mehr.
Lieblingsmusik: Das geht von A-ha bis Korn, je nach Gemütszustand. Aber grundsätzlich natürlich Heldmaschine.
Lieblingswort: Rosettenbleachingsupergau aus dem Heldmaschine-Song: Ich bin ein Star
Lieblingsort: …natürlich die Bühne. Dann kommt das Liegerad, das Surfboard und die Skipiste.
Lieblingsmoment: Als beim Windsurfen im Mittelmeer auf einmal ein ganzer Schwarm fliegender Fische um mich herum aus dem Wasser kam und ca. 50 Meter mit mir flog. Gänsehaut pur und unwiederbringlich.
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