Nachrichten VogtlandDr. Dirk Rohrbach: “Ich hatte den Eindruck, dass die Weite des Ozeans was mit den Menschen macht.”

alle Fotos: D. Rohrbach
Wenn einer weiß, wie sich Abenteuer wirklich anfühlt, dann ist es Dirk Rohrbach. Der promovierte Mediziner hat sich längst einen Namen als preisgekrönter Journalist, Fotograf und Extremreisender gemacht – einer, der nicht nur über die Welt berichtet, sondern sie intensiv erlebt. Ob monatelang mit dem Kanu durch die Wildnis Kanadas oder auf historischen Routen Nordamerikas: Rohrbach verbindet fundierte Recherche mit persönlicher Grenzerfahrung und einem feinen Gespür für Geschichten jenseits des Offensichtlichen.

Er war Protagonist der TerraX-Produktion „Abenteuer Alaska“ im ZDF und bei den arte-Fünfteilern „3000 Kilometer Yukon“ und “6000 Kilometer westwärts”. Auch seine Kajakreise “Im Fluss” auf Missouri und Mississippi wurde als TV-Serie verfilmt. Als Radiojournalist produziert der gebürtige Hanauer für die ARD den Podcast „50 STATES“. 2022 wurde er dafür mit dem Goldenen Columbus der VDRJ für das Beste Radiostück des Jahres ausgezeichnet. Außerdem ist er Autor mehrerer Bücher.

Seit mehr als 30 Jahren bereist der promovierte Arzt intensiv Nordamerika und engagiert sich mit seinem Verein Tatanka Oyate e. V. für die Rettung der Sprachen der amerikanischen Ureinwohner. Er pendelt ohne festen Wohnsitz zwischen Amerika und Deutschland.

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Words and Wonders

Mit seinem neuen Vortrag beim WELTblicke Festival über Amerikas Westküste nimmt er das Publikum am 18. April 2026 in der Festhalle Plauen mit auf eine 3000 Kilometer lange Reise entlang des legendären Pacific Coast Highway. Zwischen rauen Felsklippen, endlosen Stränden und pulsierenden Metropolen sucht er nach Begegnungen, die unter die Oberfläche gehen – und nach Antworten auf die Frage, was vom Mythos der amerikanischen Westküste heute noch übrig ist.

Im Vorfeld hat er im Interview über die Reise – über die er einen Vortrag hält – gesprochen:

Du bist 3000 km gefahren – was hat dich mehr erschöpft: der Körper oder eine Art ständige Reizüberflutung?

Schon eher die Strecke mit ihren unendlich vielen Steigungen. Die sind zwar in der Regel nicht so ewig lang aber steil, so dass man manchmal echt mehr Höhenmeter sammelt als bei einer Alpenüberquerung. Das macht es körperlich unerwartet anstrengend und atemberaubend schön.

Was sehen Touristen – und was hast du gesehen, was man normalerweise übersieht? Ab wann beginnt man, Dinge zu sehen, die andere übersehen?

Die Entschleunigung beim Radfahren spielt da schon die entscheidende Rolle, da nimmt man zwangsläufig viel mehr wahr als zum Beispiel im Auto. Und man erlebt die Reise mit allen Sinnen, weil man den Elementen ja permanent ausgesetzt ist. Ich genieße das total, deswegen reise ich auch so gerne aus eigener Kraft, mit Rad, Kanu oder Kajak.

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Gibt es einen Punkt, an dem Abenteuer gesundheitlich irrational wird – und reizt dich genau dieser?

Das spielt bei meinen Reisen überhaupt keine Rolle. Die sind zwar lang aber nicht wirklich extrem. Ich suche auch nicht das Abenteuer sondern primär die Begegnungen. Und die fallen entschleunigt und aus eigener Kraft eben besonders intensiv aus.

Du hast Austernzüchter, Surfer und Ureinwohner getroffen– wer hat dich vielleicht irritiert oder wirklich überrascht?

Ich hatte den Eindruck, dass die Weite des Ozeans was mit den Menschen macht und sie inspiriert ihr Ding zu machen. Egal ob das ein Mann ist, der Fahrräder aus Bambusrohren baut, Künstler, die mit spektakulären Skulpturen aus Plastikmüll gegen die Verschmutzung der Weltmeere kämpfen, oder ein Paar, das für Besucher Labyrinthe zum Meditieren in den Sand am Strand rechen.Und dabei geht es immer auch um die Gemeinschaft, den Zusammenhalt. Das hat mich sehr begeistert.

Was bedeutet Wildnis für uns – und was bedeutet sie für die Menschen dort?

Da gibt es glaube ich keinen großen Unterschied. Aber in Amerika beginnt die Wildnis sehr oft direkt vor der Haustür. Das gilt auch für die Westküste, wo es vor allem in Washington, Oregon und im Norden von Kalifornien nur wenige kleine Siedlungen und Städtchen gibt. Pumas, Kojoten, Wale, Delfine und Robben sind manchmal ganz schön nah. Das macht die Küste selbst heute noch ganz schön wild.

Ist „Einsamkeit“ auf so einer Reise eher Luxus oder Belastung?

Einsam fühle mich auf Reisen nur selten, weil ich ja viele Menschen treffe. Aber das Alleinsein oder besser das allein Unterwegssein genieße ich sehr, weil ich mich dann ganz auf die Begegnungen konzentrieren kann und mein Vorankommen nur von mir abhängt.

Gibt es einen Geruch, ein Geräusch oder ein Detail, das dich komplett zurück katapultiert?

Ganz klar das Rauschen des Meeres, die wilde Brandung, die einen an der Westküste ständig begleitet. Und dann aber auch diesen ganz besonderen Geruch der Meeresbrise, salzig, süß und unglaublich verlockend.

Wenn man dir deine Kamera wegnehmen würde – würdest du anders reisen?

Auf jeden Fall. Mit Kamera sind meine Reisen auch Arbeit, weil ich ständig überlege, wie ich welche Geschichte später erzählen kann und welche Bilder ich dafür brauche. Da kommt das sinnliche Dahintreiben meist viel zu kurz. Zum Glück bleibt es meist nicht bei einer Reise für ein Projekt. Ich bin meist zwei oder dreimal auf der Strecke unterwegs und genieße die Momente der Rückkehr an vertraute Orte sehr.

Nachgefragt bei…Dirk Rohrbach
Lieblingsessen: Asiabuffet & Barbecue
Lieblingsmusik: Americana & Indie Folk
Lieblingswort: Habe ich nicht. Aber manchmal zum Frustablassen funktioniert Motherf*cker schon echt gut. ;-) 
Lieblingsort: Mein Happy Place ist Alaska, meine Lieblingsregion der amerikanische Westen und meine Lieblingsstadt Nashville.
Lieblingsmoment: Das Aufbrechen in ein neues Abenteuer.
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