Der musikalisch nicht überkalkulierte Auftakt von einem Zyklus – alle Details in der Albumrezension!
Wo „Flugmodus“ noch Rastlosigkeit vertonte, das permanente Unterwegssein zwischen Bühnen, Beziehungen und Selbstsuche, setzt „Deja Vu 1/2“ einen Kontrapunkt: weniger Fluchtreflex, mehr Erdung. Weniger Geschwindigkeit, mehr Gravitation.
Gestern schlug Clueso ein neues Kapitel auf – und denkt es direkt größer: „Deja Vu 1/2“ ist nicht nur ein Studioalbum, sondern der Auftakt zu einem zweiteiligen Werkzyklus. Ein Konzept, das programmatisch wirkt – denn diese Songs kreisen um Wiederholung, Erinnerung und Entwicklung.
Schon der Opener „Gib mir was Echtes“ formuliert das. Gitarrenflächen bauen sich organisch auf, nichts wirkt synthetisch überladen oder kalkuliert glattgezogen. Die Produktion ist warm, analog anmutend, fast handgemacht.
Thematisch geht es um das, was im digitalen Dauerrauschen verloren zu gehen droht: echte Begegnungen, unverstellte Emotionen, Freundschaft als Anker. Diese Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit durchzieht das Album wie ein roter Faden. Es ist eine Feier des Lebens – aber keine naive. Sondern eine reflektierte, gereifte.
Manche Songs erinnern in ihrer Melodieführung an andere Künstler. Doch diese Momente funktionieren nicht als Kopie, sondern als ästhetische Referenzpunkte. Clueso selbst sagt er habe „völlig loslassen“ wollen. Die Texte wirken fokussierter, direkter in ihrer Ansprache. Statt Suche dominiert Selbstverortung. Statt Bewegung nach außen: Bewegung nach innen.

Fazit:
Mit „Deja Vu 1/2“ gelingt Clueso ein Album, das zugleich vertraut und gereift klingt. Es ist der erste Teil eines Zyklus – musikalisch weit, emotional tief, textlich nah. Ein Werk, das nicht laut um Aufmerksamkeit bittet, sondern sie sich leise verdient. Und direkt beim ersten Hören den Drang auslöst auf dem Erfurter Domplatz vor der Bühne laut mitzusingen – und natürlich zu tanzen.
Der Vogtlandstreicher verleiht 4 von 5 Streichern

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Clueso “Deja Vu 1/2”: Gitarrengetriebenes Loslassen versetzt in den Tanzmodus

