Titelfoto: M. Brell
Mit seiner Stimme prägte Chris Norman den Sound einer ganzen Generation. Als Frontmann von Smokie wurde er in den 1970er-Jahren mit Hits wie Living Next Door to Alice weltberühmt, bevor er mit dem Solo-Erfolg Midnight Lady endgültig Musikgeschichte schrieb.
Mehr als 20 Millionen verkaufte Tonträger später blickt der britische Sänger und Gitarrist auf über fünf Jahrzehnte Karriere zurück. Pünktlich zu seinem 75. Geburtstag schlägt Chris Norman nun ein neues Kapitel auf: Mit der Single Lifelines kündigt er sein gleichnamiges Album an, das am Freitag veröffentlicht wurde und als musikalische Autobiografie seine Lebensstationen erzählt.
Begleitet wird das Projekt von einer großen Deutschland-Tour im Herbst 2026. Im Interview (aus dem Englischen übersetzt) spricht der Musiker über Erinnerungen, prägende Songs und die Veränderungen in der Musikbranche:
Sind auf dem neuen Album eigene Songs oder hauptsächlich Cover?
Es gibt einige Cover von unterschiedlichen Künstlern. Zum Beispiel gibt es Songs von den Everly Brothers aus den 1950er-Jahren. Dann gibt es einen Song von den Beatles aus den 60ern. Außerdem sind auch einige Stücke aus den 80er- und 90er-Jahren dabei. Darunter ist zum Beispiel ein Song von Tom Petty, einer von The Beatles und Addicted to Love das ursprünglich von Robert Palmer stammt. Auch Songs von Coldplay und Snow Patrol gehören dazu. Es sind also viele unterschiedliche Titel von verschiedenen Künstlern, die mir etwas bedeuten.
Gibt es einen bestimmten Song mit besonderer Bedeutung?
Irgendwie alle, deswegen heißt das Album auch Lifelines. Außerdem haben Songs der Everly Brothers einen großen Einfluss auf mich gehabt. Die habe ich schon als kleines Kind gehört. In den 60er-Jahren war zum Beispiel „Strawberry Fields“ ein großer Song für mich. Und später dann Titel wie „Run“. Viele dieser Lieder haben mich in verschiedenen Phasen meines Lebens begleitet. Sie waren für mich immer besonders, weil ich sie schon damals großartig fand – und so ging das ja noch mehr Menschen.

Warum ist Ihre Musik Ihrer Meinung nach besonders in Deutschland so beliebt?
Wir hatten eigentlich auf der ganzen Welt Erfolg. Deutschland war eines der Länder, in denen wir schon sehr früh auf Tour gegangen sind. Als wir das erste Mal hierher kamen, haben wir gefühlt überall gespielt. Unsere erste Tour dauerte etwa sieben Wochen und wir traten in vielen verschiedenen Städten auf. Wir hatten in Deutschland über viele Jahre hinweg großen Erfolg.
Wann begann Ihre Karriere als Musiker und welcher Moment hat Ihr Leben verändert?
Ich glaube, der entscheidende Moment kam in den 50er-Jahren. Damals kam Rock ’n’ Roll auf – und das hat mein Leben komplett verändert. Ich hörte Platten von Elvis Presley und Buddy Holly und das war ein riesiger Moment für mich. Diese Musik hat mich inspiriert selbst Musiker werden zu wollen. Ich wollte Gitarre spielen und auf der Bühne stehen – genau wie diese Künstler. Die 60er waren wahrscheinlich das prägendste Jahrzehnt für die Entwicklung der Musik überhaupt.
Wie sehen Sie die Entwicklung der Musikindustrie seit damals?
Die Musikindustrie hat sich komplett verändert. In den 70ern begann ich selbst erfolgreich zu werden und Hits zu haben – das war eine großartige Zeit. Damals gab es noch sehr viele Plattenlabels. Allein in London existierten Dutzende davon. Heute ist das ganz anders. Viele Labels sind verschwunden. Auch die Plattenläden, die früher Schallplatten verkauften, haben größtenteils geschlossen. Die Art, wie Musik verkauft wird, hat sich ebenfalls stark verändert – heute läuft alles über Streaming. Für junge Bands ist es heute viel schwieriger, weil sie nicht mehr dieselben Möglichkeiten haben wie früher.
Was würden Sie jungen Musikern raten, die am Anfang stehen?
Es ist heute wirklich sehr schwierig. Als ich angefangen habe, war es deutlich einfacher. Es gab viele Möglichkeiten, im Fernsehen oder im Radio gespielt zu werden. Heute gibt es davon viel weniger. Dadurch ist es schwerer geworden, bekannt zu werden. Außerdem sind die Verkäufe von Musik starkzurückgegangen, weil sich die Art, Musik zu konsumieren, komplett verändert hat.
Viele Coverbands spielen Ihre Songs bei lokalen Veranstaltungen. Nehmen Sie das wahr und urteilen sie auch manchmal, ob es gut oder schlecht ist?
Ja, viele Bands spielen Coverversionen meiner Songs. Ich finde das eigentlich großartig. Es ist schön zu sehen, dass Leute diese Musik weiterhin mögen. Ich habe auch einige Aufnahmen auf YouTube gesehen – manche davon sind wirklich sehr gut. Natürlich hängt es immer davon ab, wer die Songs spielt, aber insgesamt sehe ich es als großes Kompliment, dass meine Musik nach all den Jahren noch so gerne gespielt wird.
Wird die kommende Tour nur in Deutschland stattfinden?
Nein, nicht nur in Deutschland. Ich werde auch in anderen Ländern auftreten – zum Beispiel in Skandinavien und Irland. Die Tour beginnt im September und dauert bis zum Ende des Jahres. Ich werde also etwa drei Monate am Stück unterwegs sein und an vielen verschiedenen Orten spielen. Darauf freue ich mich sehr.
Wie viele Musiker begleiten Sie auf Tour?
Wir sind insgesamt sechs Personen auf der Bühne. Ich selbst plus fünf weitere Musiker: drei Männer und zwei Frauen.
Nachgefragt bei…Chris Norman
| Lieblingsessen: In Deutschland liebe ich Bratkartoffeln. Das esse ich hier wochenlang. Aber ich mag viele traditionelle britische Gerichte, zum Beispiel Roastbeef and York-Pudding oder Fish and Chips. |
| Lieblingsmusik: Für mich werden wahrscheinlich immer The Beatles die beste Band aller Zeiten bleiben. |
| Lieblingswort: Ich habe kein Lieblingswort, aber etwas was ich gar nicht mag: wenn jemand sagt „Good luck“. |
| Lieblingsort: Yorkshire Dales |
| Lieblingsmoment: Der schönste Moment war für mich, die Geburt meiner Kinder zu erleben. |
Deutschland-Tour 2026:
08.10.2026 – Gera
09.10.2026 – Leipzig
10.10.2026 – Magdeburg
12.10.2026 – Ludwigsburg
14.10.2026 – Zwickau
15.10.2026 – Erfurt
17.10.2026 – Berlin
19.10.2026 – München
21.10.2026 – Frankfurt am Main
23.10.2026 – Düsseldorf
24.10.2026 – Bochum
26.10.2026 – Hannover
28.10.2026 – Hamburg
Seit fast zwei Jahrzehnten die neutrale Stimme im Vogtland. Mit Leidenschaft und Nähe zu Menschen und Themen, auch weit über die Region hinaus. Nah am Puls der Zeit. Und stets mit dem Anspruch, Politik zu lesen, Kunst und Kultur näher zu bringen und am Schleizer Dreieck nicht vom Bike zu fallen.
Chris Norman: Die Smokie-Legende im Gespräch über das Album “Lifelines”, Erinnerungen und die bevorstehende Tour

