Nachrichten VogtlandBastian Maria: “Wir sind mit Vorurteilen über Regionen losgezogen und wurden überall mit Gastfreundschaft empfangen.”

alle Fotos: Bastian Maria
Wenn jemand bereit ist, sein gewohntes Leben hinter sich zu lassen, Job und Wohnung zu kündigen und sich per Anhalter auf den Weg ans andere Ende der Welt zu machen, dann steckt mehr dahinter als bloße Reiselust. Bastian Maria, Fotograf, Abenteurer und Geschichtenerzähler, hat genau das getan.

Gemeinsam mit seiner Frau Viviane brach er im März 2020 zu einer Reise auf, die ursprünglich bis zu den Olympischen Spielen nach Tokio führen sollte – und sich schnell zu einem unvorhersehbaren Abenteuer entwickelte. Was als durchdachtes Projekt begann, wurde unterwegs zur echten Grenzerfahrung: 12.000 Kilometer durch 14 Länder, Begegnungen mit fremden Kulturen, unerwartete Wendungen und Momente zwischen Euphorie und Unsicherheit.

Ob spontane Mitfahrgelegenheiten, intensive Begegnungen mit Menschen entlang der Route oder Situationen, die Mut und Vertrauen gleichermaßen forderten – aus der Reise wurde eine Geschichte über das Unterwegssein, über Veränderung und darüber, was passiert, wenn Pläne nicht mehr greifen.

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Heute verarbeitet Bastian Maria diese Erfahrungen in eindrucksvollen Live-Reportagen. Mit einem Vortrag beim WELTblicke Festival bringt er seine Erlebnisse auf die Bühne – persönlich, authentisch und nahbar. Am 17. April 2026 ist er damit in der Festhalle Plauen zu erleben.

Vorab spricht er im Interview über den Mut, alles hinter sich zu lassen, über die Realität des Trampens quer durch Kontinente – und darüber, wie eine Reise das eigene Leben nachhaltig verändern kann:

Der ursprüngliche Plan war ja ziemlich klar: per Anhalter zu den Olympischen Spielen. Was hat euch an genau dieser Idee gereizt – und warum Japan als Ziel? 

Ich war früher selbst Leichtathlet und habe davon geträumt, einmal als Sportler bei Olympia dabei zu sein. Viviane war ebenfalls im Leistungssport aktiv. Für uns hat es sportlich nicht ganz gereicht, aber das Motto „Dabei sein ist alles“ hat uns nie losgelassen. Nachdem wir in London 2012 und Rio 2016 als Zuschauer besucht hatten, wollten wir für Tokio 2020 den Weg dorthin zum eigentlichen Ziel machen. Das Trampen ist für uns die ehrlichste Art zu reisen – man ist zu 100 Prozent auf Augenhöhe mit den Menschen vor Ort.

Wie reagiert dein Umfeld, wenn man sagt: Ich trampe jetzt 12.000 km nach Japan? 

Zuerst gab es natürlich erst einmal erstaunte Gesichter und eine gewisse Verwunderung im engsten Kreis. Unsere Familien mussten das Ganze erst einmal sacken lassen. Aber als sie gemerkt haben, wie ernst es uns ist und wie sehr wir für diesen Traum brennen, ist die Skepsis in volle Unterstützung umgeschlagen. Letztlich haben sie uns den Rücken gestärkt und uns voll unterstützt, was für uns unglaublich wertvoll war.

Was war die größte Fehlannahme, die du vor der Reise hattest? 

Dass man alles im Voraus planen kann. Wir dachten, wir seien perfekt vorbereitet, doch dann kamen Grenzschließungen, die Pandemie und völlig unerwartete Begegnungen. Ich habe gelernt, dass der Plan eigentlich nur dazu da ist, um ihn im richtigen Moment über Bord zu werfen.

Was entscheidet darüber, ob jemand anhält oder weiterfährt? 

Oft ist es eine Sache von Sekunden: Blickkontakt, ein Lächeln und die eigene Ausstrahlung. Wir haben gemerkt, dass Vertrauen keine Einbahnstraße ist. Wer Vertrauen ausstrahlt, bekommt es meistens zurück.

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 Was hast du über Menschen gelernt, nachdem du tausende Kilometer auf fremde Hilfe angewiesen warst? 

Dass die Welt im Kern gut ist. Wir sind oft mit Vorurteilen über bestimmte Regionen losgezogen und wurden überall mit einer Gastfreundschaft empfangen, die wir uns in Europa kaum vorstellen können. Wenn man nichts hat und auf Hilfe angewiesen ist, lernt man Demut.

Unterscheiden sich die Begegnungen kulturell stark oder ist Hilfsbereitschaft universell? 

Die Art, wie man hilft, unterscheidet sich – in Kirgistan ist es vielleicht ein Platz in der Jurte und ein Schluck vergorene Stutenmilch, in Japan eher eine höfliche, fast schüchterne Geste. Aber das Grundbedürfnis, einem Fremden zu helfen, ist absolut universell.

Gab es einen Punkt, an dem du dachtest: „Das war vielleicht eine schlechte Idee“? 

Es gab Momente extremer Belastung, etwa wenn wir bei eisigen Temperaturen auf Mitfahrgelegenheiten warteten oder bürokratische Hürden uns fast gestoppt hätten. In solchen Momenten fragt man sich kurz nach dem „Warum“, aber genau diese Herausforderungen machen die Reise im Rückblick so wertvoll.

Gab es Momente, in denen ihr als Paar komplett unterschiedlich mit Situationen umgegangen seid? 

Wir haben auf der Reise vor allem gelernt, was für ein großes Geschenk es war, diesen Weg nicht allein zu gehen. Natürlich reagieren wir in Stresssituationen unterschiedlich, aber genau darin lag das Gute: Wenn einer von uns mal die Zuversicht verloren hat oder an seine Grenzen kam, war der andere mit einer Ruhe oder einem aufmunternden Wort da. Es war eine sehr schöne Erfahrung zu merken, dass man sich blind aufeinander verlassen kann und dass man gemeinsam oft Kraft findet, die man allein vielleicht nicht aufgebracht hätte. Wir sind sehr dankbar, dass wir diese Herausforderungen als Team meistern durften.

Was würdest du jemandem sagen, der selbst von so einer Reise träumt, sich aber nicht traut?  

Wer vorher auf alle Eventualität eine Antwort haben will, wird wahrscheinlich niemals losgehen, weil die Liste der potenziellen Probleme immer länger wird. Es ist absolut in Ordnung – ja, sogar wichtig – unvorbereitet zu sein. Man muss nicht alles vorher wissen. Wenn du versuchst, die nächsten 12.000 Kilometer am Schreibtisch zu kontrollieren, nimmst du dir selbst den Raum für das, was das Reisen eigentlich ausmacht: das Unvorhersehbare und die Begegnungen, die eben nicht im Reiseführer stehen. Zu viel Planung wirkt oft wie eine Bremse; sie hält uns in der Sicherheit fest und lässt uns gar nicht erst starten. Vertrau darauf, dass du unterwegs wächst.

Was war der unnötigste Gegenstand, den du mitgeschleppt hast? 

Tatsächlich war das Gegenteil der Fall: Wir hatten jedes Gramm zwei Mal umgedreht, dass wir eigentlich gar keinen klassischen „unnötigen Ballast“ dabei hatten. Im Nachhinein mussten wir eher feststellen, dass wir fast zu minimalistisch gepackt hatten. Ich wollte irgendwann Laufschuhe und Viviane eine zweite Jacke. 

Noch mehr zu erfahren gibt es unter: www.bastian-maria.de 

Nachgefragt bei…Bastian Maria
Lieblingsessen: Frisches Brot direkt aus Ofen.
Lieblingsmusik: Wenn du eine Gitarre am Lagerfeuer dabei hast, kaufe ich dir jeden Song ab. 😊
Lieblingswort: Vertrauen.
Lieblingsort: Im Wohnzimmer bei vermeintlich fremden Kulturen.
Lieblingsmoment: Wenn sich nach Stunden des Wartens eine Autotür öffnet und ein völlig Fremder dich mit einem breiten Lächeln einlädt.
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