Nachrichten VogtlandTheater Plauen-Zwickau: Dr. Margarete Faust – Zwischen Shitstorm, Macht und Mephisto

Titelfoto: Theater Plauen-Zwickau
Zwischen Whiteboard und Wasserglas flackern moralische Abgründe auf, während draußen der digitale Mob tobt. In der Inszenierung „Doktormutter Faust“ prallen akademische Exzellenz, politische Polarisierung und existenzielle Versuchung frontal aufeinander. Das Theater Plauen-Zwickau hebt mit dieser Produktion einen Stoff auf die Bühne, der brisanter kaum sein könnte – und gewährt dem Publikum bei einer öffentlichen Probe exklusive Einblicke in den Entstehungsprozess.

Mit ihrem neuen Schauspiel schreibt Fatma Aydemir den Kanon fort und konfrontiert Johann Wolfgang von Goethes „Faust“ mit den Verwerfungen der Gegenwart. Was geschieht, wenn sich Faust und Gretchen in einer Figur vereinen? Wenn Erkenntnisdrang, Schuldfrage und Verführung nicht zwei Menschen, sondern eine einzige Existenz erschüttern?

Im Zentrum steht Dr. Margarete Faust – Dozentin für Gender Studies, von Gegnern als „Prof. Genderterror“ tituliert. Sie ist anerkannt, scharfsinnig, meinungsstark – und plötzlich Zielscheibe. Sie hat studiert – „leider auch Theologie“. Sie hat publiziert, gelehrt, geforscht. Nun jedoch steht sie öffentlich am Pranger.

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Nachdem sie einer Studentin mithilfe universitärer Gelder eine Abtreibung ermöglicht, gerät ihr Ruf ins Fadenkreuz einer rechten Kampagne. Shitstorm, Rufmord, politische Instrumentalisierung bestimmen die Schlagzeilen. Der Dekan zieht eine Suspendierung in Betracht. Ihre Assistentin Valeria appelliert an Standhaftigkeit. Doch der Druck wächst – und mit ihm die Verlockung des Ausbruchs.

Mephisto, Macht und Moral: Der Pakt im Hörsaal

Wie im klassischen Drama tritt Mephisto als zynischer Impulsgeber auf, als Verführer und Spiegelbild innerer Zerrissenheit. Mit dem geschlossenen Pakt setzt ein Strudel ein, der zwischen Lebenslust, Entgleisung, Verantwortung, Begehren und moralischer Grenzüberschreitung oszilliert.

Im Verlauf der Handlung verschiebt sich der Fokus weg von eindeutigen Zuschreibungen. Keine schlichte Täter-Opfer-Zuordnung, keine vorschnellen moralischen Urteile. Stattdessen rückt die Inszenierung Ambivalenzen und strukturelle Machtverhältnisse ins Zentrum.

Dr. Margarete Faust sieht sich mit einer Frage konfrontiert, die sie selbst beantworten muss:
Wie hast du’s mit der Integrität? Besonders im Verhältnis zu ihrem Studenten Karim wird diese Frage brisant. Ist sie lediglich engagierte Mentorin? Oder nutzt sie – bewusst oder unbewusst – ihre Machtposition aus?

Fatma Aydemir interessiert sich nicht für einfache Schuldzuweisungen. Sie richtet den Blick auf Zwischentöne, auf akademische Hierarchien, feministische Diskurse, Cancel Culture, Populismus, Wissenschaftsfreiheit und die Dynamiken öffentlicher Empörung. Nicht: Wer ist schuldig? Sondern: Wie bleibt Debatte möglich – zwischen Empörung und Ideologie?

Öffentliche Probe am Theater Plauen-Zwickau: Termine, Premiere, Spielplan

Die öffentliche Probe von „Doktormutter Faust“ bietet die seltene Gelegenheit, Theater als Prozess zu erleben.

📍 Öffentliche Proben (Eintritt frei)
  • Freitag, 6. März 2026, 19:00 Uhr – Kleine Bühne Plauen / Einführungssoiree 18 Uhr
  • Mittwoch, 8. April 2026, 19:00 Uhr – Gewandhaus Zwickau / Einführungssoiree 18 Uhr
📍 Premiere & weitere Aufführungen
  • Premiere: 12. März 2026, 19:30 Uhr – Kleine Bühne Plauen
  • Weitere Termine: 22. März sowie 30./31. März in Plauen
  • Zusätzliche Vorstellungen im April und Mai im Gewandhaus Zwickau

Mehr Infos & Tickets: HIER

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