alle Fotos: Stephanie Rössel
Klar – ich könnte jetzt eine klassische Konzertrezension schreiben. Setlist sezieren, Sound bewerten, Licht loben, Publikum analysieren. Aber ganz ehrlich? Das habe ich bei Northern Lite inzwischen schon so oft getan, dass es fast inflationär wäre. Also wird’s dieses Mal ein Kommentar. Denn zu sagen gibt es einiges:
Diese Band habe ich vor ziemlich genau zwei Jahren entdeckt – und zwar zur etwa selben Zeit am selben Ort: im Club Seilerstraße in Zwickau. Das ist rund 27 Jahre später als bei manch anderer oder anderem. Northern Lite gibt es immerhin schon seit 1997. Spätzünder? Vielleicht. Begeisterter Wiederholungstäter? Definitiv.
Außerdem ist etwas passiert, das ich so eigentlich von keiner anderen Band behaupten kann: In gerade einmal 24 Monaten habe ich gut ein Dutzend Konzerte besucht. Warum? Ganz einfach: Ich tanze. Anderthalb Stunden am Stück.
Northern Lite ist keine „Ich-stehe-mit-verschränkten-Armen-am-Rand“-Band. Das ist „Jacke-abwerfen-und-mittenrein“-Musik. Elektronischer Pop-Rock-Dance mit genug Druck, um selbst Bewegungsmuffel in rhythmische Wesen zu verwandeln.
Und ja – ich habe mir das aktuelle Album direkt nach dem Konzert auf Vinyl gekauft. Und das, obwohl ich in meiner eigenen Albumrezension eher kritisch war und dem jüngsten Werk der Erfurter Band nicht gerade euphorisch gegenüberstand. Aber was soll ich sagen: Es wäre schlicht das einzige ihrer Alben gewesen, das mir in meiner Schallplattensammlung gefehlt hätte.

Am Samstag war der Sound stellenweise etwas eigenwillig, hier und da blitzten kleine Intonationsprobleme auf. Aber das hat dem, worum es bei Musik eigentlich geht, keinen Abbruch getan. Denn Musik bewegt entweder das Herz – oder den Hintern. Und bei Northern Lite trifft in meinem Fall definitiv und zuverlässig immer Letzteres zu. Diese Musiker liefern nicht nur Konzerte – sie liefern Bewegungsdrang. Man geht nicht einfach nach Hause. Man schwebt raus. Mit müden Füßen und breitem Grinsen. Und es war rückblickend wirklich keine gute Idee, neue High Heels zu tragen.

Seit fast zwei Jahrzehnten die neutrale Stimme im Vogtland. Mit Leidenschaft und Nähe zu Menschen und Themen, auch weit über die Region hinaus. Nah am Puls der Zeit. Und stets mit dem Anspruch, Politik zu lesen, Kunst und Kultur näher zu bringen und am Schleizer Dreieck nicht vom Bike zu fallen.
Northern Lite live im Club Seilerstraße in Zwickau – Tanzpflicht statt Konzertkritik

