Nachrichten VogtlandBlues-King aus Thüringen: Jürgen Kerth aus spielt mit Re-In im April im Malzhaus Plauen

Fotos: Roland Barwinsky
„Das Ensemble Kerth kennt man in Thüringen schon seit 1967. Aus den vier Amateuren wurde bald ein gefragtes Quartett versierter Berufsmusiker“, teilte 1976 die zweite Auflage eines veröffentlichten Buches seinen Lesern mit.

Schon kurz nachdem dieses Werk druckreif wurde, drang erstmals Musik des seit Urzeiten in Erfurt Beheimateten durch. Auf den ersten Blick marginal erscheinende Alltagsgeschichten, waren für den Musiker immer ein Thema. Daraus formte er inhaltliche und musikalische Filetstücke. Werke, die bei den Zuhörenden vor allem Fantasie, Sehnsüchte und Friedfertigkeit freigelegten.

Klar, Ende der 1970er Jahre steuerte im Osten Deutschlands eine Jugendkultur ihren ultimativen Höhepunkt entgegen, die heutzutage nüchtern und trocken unter dem Begriff „Blues-und Trampszene“ zusammen gefasst wird. Ganz bestimmten Milieu-Gruppen mit viel trunkenen Erlebnishunger hinterher zu reisen, galt seinerzeit in der Szene als das Nonplusultra.

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Emotionale Kreationen und druckvolle Virtuosität

Dabeigewesene schwärmten auch von Jürgen Kerth, erkannten in ihm einen exzellenten Gitarristen, der vor allem live gern klangbeladene Sternstunden verteilte. Neben druckvoller Virtuosität, verpackte der „Meister für Feinwerktechnik“(O-Ton aus der anfangs erwähnten Veröffentlichung) natürlich gern eigene Wünsche in die Songs. Das instrumentale Werk „Amazonas /Tanz der Alligatoren“ sollte viel viel später ein spezifische Eigendynamik erhalten. Auf der LP „Gloriosa“, 1982 veröffentlicht, fanden die genau Hinhörenden dann eine seiner wohl emotionalsten Kreationen. Das Lied „He, junge Mutti“ ist sein persönlicher Frontalangriff gegen dumpfe Gewalt, besonders gegenüber Kindern. Einfach zeitlos!

Im mythenumwucherten Gasthof „Zum Löwen“ in Ebersbrunn – einem republikweit bekannten Domizil im Osten mit viel Mokka-Edel sowie Magnetwirkung – war Kerth damals längst Stammgast. Seine direkte sowie kumpelhafte Art verschmolzen auf der Bühne schnell mit den davor entzückt Zuhörenden. Ergebnis: Es entstand ganz besonderer tönender Treibsand.

Eine kräftige Prise Thüringer Gemütlichkeit

In einem Interview schwärmte Kerth- damals 1994 – von Auftritten Mitte der 1960er Jahre in Ungarn, welche unweit des Balatons mit Plakaten wie „Die deutschen Beatles kommen zu uns“ beworben waren. Gleichzeitig erinnerte er sich an die schwierige Zeit für Rock`n Roll  in der DDR nach der berühmten Leipziger Beatdemo am 31.Oktober 1965. Da wurde erst einmal alles, was im Osten nur ansatzweise nach dieser dekadenten und von weither kommenden Beatmusik roch, platt gemacht. Verbote erreichten somit auch ihn und seine damaligen Bandmitglieder.

Jürgen Kerth, inzwischen mit einem Berufsausweis ausgestattet, produzierte ab 1970 erste Titel im Rundfunk und tourte zugleich unentwegt durch das kleine Land. Aber nach Ost-Berlin – wie so viele andere seiner Berufskollegen aus der Provinz – zog es ihn nie. Seine bewusst vorgelebte regionale Verwurzelung, gepaart mit einer kräftigen Prise Thüringer Gemütlichkeit, schätzen seine Anhänger.

Nach der Grenzöffnung von 1989 folgten trotzdem pittoreske persönliche Zeitenwenden. Jahrelang flog der mittlerweile zum Bundesbürger Mutierte sowie mit Reisefreiheit Ausgestattete nach Florida, auch in den Großraum Miami. In den damaligen Vereinigten Staaten des Bill Clinton, zelebrierte der Weitgereiste natürlich den authentischen Blues. Mit Schwarzen, mit Weißen, mit Musikverliebten…  Der Erfurter befand sich mittendrin in einer Welt, nach der er lange suchte. Einfach so, weil es einfach sein ultimatives Lebenselixier war.

Mit Re-In im Plauener Malzhaus

Sein besonders ausgeprägtes Improvisationstalent, sorgte nun für Eigendynamiken par excellence. Wenn er sich nicht gerade dort befand, beehrte die regionale Legende natürlich weiterhin kontinuierlich das Malzhaus-Kellergewölbe. Der „Barde“(so nannte die Presse den Musiker tatsächlich), der seit über sechs Jahrzehnten auf der Bühne steht, wird am 18.April von der lokalen Klang-Institution Re-In massiv unterstützt. Das Quartett um Gerd Gimpel sucht und spielt natürlich den Blues.

Wie heißt es doch in der anfangs erwähnten Veröffentlichung: „Für die Zukunft hat sich Jürgen Kerth vorgenommen: Mit neuen Titeln der ständig steigenden Qualifikation der Musiker Rechnung zu tragen, um auf diese Weise einen Beitrag zur Entwicklung der Beatmusik in unser Republik zu leisten.“ Schöpfer dieser heutzutage eher eigenartig klingenden Worte war einst Heinz Peter Hofmann.

Termin: Samstag, 18.April, 20 Uhr, Kellerbühne Malzhaus Plauen

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Roland Barwinsky
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