Nachrichten VogtlandTalsperren: Trockenheit, Technik und Lebensraum – Rückblick auf 2025 und Ausblick auf 2026

Sachsen ist ein wasserreiches Land – und zugleich ein Land im Wandel. Niedrige Niederschläge, spürbare Klimafolgen und zugleich eine beeindruckende Kraftanstrengung für Technik, Ökologie und Hochwasserschutz haben das vergangene Jahr geprägt. Die Landestalsperrenverwaltung Sachsen zieht jetzt Bilanz und blickt auf ein 2026, das noch mehr Anpassung an neue Umweltbedingungen fordert.

Zwischen Wassermangel und Wassersicherheit

In den Einzugsgebieten der sächsischen Talsperren fielen die Niederschläge in 2025 auf rund 80 Prozent des langjährigen Mittels, die Zuflüsse sanken auf etwa 52 Prozent – ein klarer Hinweis auf zunehmende Trockenheit und eine Herausforderung für die Wasserversorgung.

Rund 40 Prozent des öffentlichen Trinkwassers Sachsens stammen aus Trinkwassertalsperren. Gerade deshalb hat die Wasserwirtschaft im Freistaat höchste Priorität. Neben klassischen Unterhaltungsarbeiten rückte 2025 der Ausbau bestehender Anlagen und die Integration von Klimaanpassungsstrategien in den Vordergrund. Technische Maßnahmen, veränderte Betriebsweisen und die Vernetzung von Talsperrensystemen sind Bausteine einer resilienteren Zukunft.

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Klimawandel konkret: Anpassung in der Praxis

„Es wird immer wichtiger, dass sich die Talsperren im Winter wieder bis zum Stauziel füllen“, erläutert Eckehard Bielitz, Geschäftsführer der Landestalsperrenverwaltung Sachsen. Seit 2014 zeichnet sich ein Trend ab: eher trockene Abflussjahre mit sommerlicher Hitze, seltenen aber intensiven Niederschlägen und teils sehr trockenen Herbstmonaten.

Die Sanierung der Talsperre Lichtenberg im Erzgebirge soll eine nachhaltige Trinkwasserversorgung sichern. Zugleich sind umfangreiche Zustandsanalysen, wie an der Vorsperre Oehna im Landkreis Bautzen, Grundlage für langfristige Investitionen.

Gewässer als Lebensraum und Schutzraum

Nicht nur technische Infrastruktur zählt: Die naturnahe Entwicklung der sächsischen Fließgewässer erster Ordnung ist ein weiterer Schwerpunkt. Mit einem Gewässerentwicklungskonzept für die Große Röder etwa soll der Einklang von Hochwasserschutz und ökologischer Gewässerfunktion erreicht werden – ein Modell für zukünftige Projekte.

Auch im Nationalpark Sächsische Schweiz war die Verwaltung aktiv: Um trockene, vom Borkenkäfer befallene Stämme aus dem Flussbett der Kirnitzsch zu bergen, wurde ein Schreitbagger eingesetzt – sinnvoll abgestimmt mit Naturschutzbehörden und mit Blick auf Hochwasserereignisse.

Hochwasserschutz – Nach 2002 und 2013 eine Daueraufgabe

Wo einst schwere Überschwemmungen wirkten, entstehen heute Schutzsysteme, die Mensch und Natur bewahren sollen. In Döbeln läuft seit 2009 ein Großprojekt zum Hochwasserschutz; in Burkhardtsdorf wurde die Schutzanlage nach sieben Jahren Bauzeit fertiggestellt. An der Zwickauer Mulde forcieren gestärkte Deiche den Schutz vor extremem Hochwasser.

Ein weiteres Beispiel ist der Polder Löbnitz im Landkreis Nordsachsen: Sein Ringdeich hält bei Hochwassern Abflüsse von bis zu 1800 Kubikmetern pro Sekunde – ein Schutz, der statistisch einem Ereignis mit einer Wiederkehrwahrscheinlichkeit von 100 Jahren entspricht.

Ausblick 2026: Wissen vermitteln, Wasser erleben

Für 2026 plant die Landestalsperrenverwaltung Sachsen, ihre Maßnahmen zur Klimaanpassung fortzusetzen und bestehende Anlagen weiter zu optimieren. Gleichzeitig soll das Bewusstsein für die Bedeutung von Wasser in der Gesellschaft gestärkt werden – ein Ziel, das über technische Arbeit hinausgeht.

Besonders sichtbar wird dies am 22. März 2026, dem Internationalen Tag des Wassers: An der Talsperre Gottleuba beispielsweise, die 50 Jahre alt wird, sind Besucherinnen und Besucher eingeladen, einen seltenen Blick in die Staumauer zu werfen und mehr über Trinkwasseraufbereitung zu erfahren – ein Erlebnis, das Natur, Technik und Alltagsbezug verbindet.

Information zur Wühltierbekämpfung

Aktuell weist die Landestalsperrenverwaltung darauf hin, dass im Rahmen der Unterhaltungsmaßnahmen an den sächsischen Gewässern I. Ordnung erneut Fallen zur Wühltierbekämpfung aufgestellt werden. Die Maßnahmen dienen der Deichsicherheit, müssen deshalb geduldet werden und finden das ganze Jahr über statt. Schilder warnen an den jeweiligen Orten vor den aufgestellten Fallen. Aufgrund der Gefahr, die von ihnen ausgeht, dürfen die Fallen und Fanggeräte weder berührt, noch verändert oder entfernt werden.

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Grafik: Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen
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