Sebastian Undisz: Über geheimnisvolle Klänge, Visionen und wie ein Daxophon ins Vogtland kam

Titelfoto: Stephanie Rössel – Sebastian Undisz mit dem außergewöhnlichen Daxophon
Als brüllt ein Affe im Dschungel, als trompetet ein Elefant in der Savanne oder vielleicht ist es doch eine singende Säge – Geräusche, die vertraut scheinen und doch einen völlig anderen Ursprung haben als vermutet. Ein geschwungenes Stück Holz und ein Cellobogen erzeugen mit ein bisschen Geschick Schwingung. So einfach erklärt, ist dann fast schon die Funktion eines Daxophons.

Diesem Instrument Töne entlocken, kann im Vogtland vermutlich gerade nur einer. Das liegt nicht nur daran, dass er relativ sicher als einziger ein Daxophon besitzt, sondern auch mit viel musikalischem Talent gesegnet ist.

Sebastian Undisz und das Daxophon

Sebastian Undisz – Musiker, Komponist und musikalischer Leiter für Schauspiel im Theater Plauen-Zwickau hat kürzlich eine Lieferung aus Amerika erhalten. Die Musik für “Richard III” sollte entstehen und auch die Vogtland-Revue stand schon auf dem Plan, da fiel dem gebürtigen Leipziger ein, worüber er vor einer Weile im Radio gehört hatte.

Werbung

Werbebung rPartnerprogramm

Der Gitarrist Hans Reichel aus Wuppertal entwickelte und baute ein ungewöhnliches Instrument und wurde damit weltweit bekannt – das Daxophon. Es dürfte nicht allzu viele geben, vermutet Undisz, aber Reichel hat sogar eine Bauanleitung dafür herausgegeben.

Sebastian Undisz Daxophone
Fotos: Stephanie Rössel
Sebastian Undisz Daxophone
Das Daxophon und wie es gespielt wird.

„Ich probiere und teste immer weiter. Da ist noch viel möglich. Für das Shakespeare-Stück fand ich diese speziellen Klänge sehr passend“, sagt der Musiker, der von 1984 bis 1989 Komposition an der Musikhochschule in Dresden studierte. Er war Leiter der Schauspielmusik am Schauspiel Leipzig, ist seit fast 30 Jahren freischaffender Komponist, spielt in verschiedenen Bands und wirkte bei unzähligen Inszenierungen beispielsweise in Berlin, Leipzig, Schwerin, Darmstadt, Magdeburg und Rostock mit. Lange Zeit war er am Staatstheater in Cottbus und später in Greifswald engagiert.

Musikalische Wurzeln im Vogtland

Sein Instrument ist das Klavier. Nicht zufällig begleitet er also auch Künstlerinnen und Künstler als Pianist. Doch nicht zuletzt für seine Kompositionen nimmt er auch andere Instrumente, wie Flöte, Saxophon, Akkordeon oder Gitarre in die Hand. Letztere sei oft die größere Inspiration bei Melodien, aufgrund der Spielbarkeit.

Die Tatsache, dass er aus beruflichen Gründen seit zwei Jahren in Plauen lebt, sieht er als Verbindung zu seinen vogtländischen Wurzeln. Seine ersten musikalischen Schritte hat Sebastian Undisz als Kind bei seiner Großmutter machen dürfen. Bei ihr durfte er in Greiz in der Kirche auf der Orgel spielen. Sein Vater war im Übrigen auch Musiker.

Kreativer Ansatz für Theaterkompositionen

Wenn Undisz für ein Theaterstück komponiert, können das die unterschiedlichsten Dinge sein, die ihn inspirieren. Klänge und Instrumente, die er damit verbindet, bereits Gehörtes oder einfach das, was in seinem Kopf dazu entsteht. „Ich schrecke nicht davor zurück, auch Klischees zu bedienen“, sagt der 1965 geborene Sachse. Eine Sache bleibt aber immer sein Ziel: „Ein Finale hinzuzaubern, das die Leute noch auf dem Heimweg trällern.“

Nachrichten Vogtland
Fotos: Theater Plauen-Zwickau
Undisz
Sebastian Undisz ist auch auf der Bühne zu erleben
Eine besondere Vision: Das Voynich-Manuskript

Und dann gibt es da auch noch diese eine Idee, den kleinen Traum von einer besonderen Vertonung. „Es gibt ein Buch, das bis heute nicht entschlüsselt ist, in einer Sprache, die nicht entziffert werden konnte, und vielen Illustrationen. Das Voynich-Manuskript. Ich war schon einmal kurz davor, eine Kammeroper darüber zu schreiben, doch inzwischen glaube ich daran, dass es weniger eine Sinfonie, sondern mehr ein Ballettstück werden sollte“, erzählt Sebastian Undisz mit spürbarer Begeisterung und hofft, vielleicht den Ballettleiter des Theaters, Sergei Vanaev, noch dafür begeistern zu können.

Bald nächste Premiere im Vogtlandtheater

Sein aktuelles Projekt am Theater Plauen-Zwickau ist Die Vogtland-Revue. Eine Hommage an die Region, eine musikalische Reise, bekannte Lieder, neue Melodien und ein liebevoll gemeinter, aber auch ein bisschen kritischer Blick auf das Land, seine Bewohnerinnen und Bewohner und seine Geschichte.

Premiere in Plauen ist am 9. November um 19.30 Uhr. Eine Einführungssoiree (18 Uhr) und eine öffentliche Probe (19 Uhr) gibt es am 30. Oktober.

Nachgefragt bei…Sebastian Undisz
Lieblingsessen: Thailändisch
Lieblingsmusik: Jazz
Lieblingswort: stabil
Lieblingsort: Ostsee
Lieblingsmoment: Wenn man ein Lagerfeuer macht und es anfängt zu brennen.
Nachrichten Vogtland
+ posts

Seit fast zwei Jahrzehnten die neutrale Stimme im Vogtland. Mit Leidenschaft und Nähe zu Menschen und Themen, auch weit über die Region hinaus. Nah am Puls der Zeit. Und stets mit dem Anspruch, Politik zu lesen, Kunst und Kultur näher zu bringen und am Schleizer Dreieck nicht vom Bike zu fallen.