Nachrichten VogtlandSascha „Psycomatic“ Hummel: Song des rappenden Visionärs aus dem Schwarzwald für Grammy eingereicht

Er ist Ausnahmeprotagonist, Grenzgänger und Brückenbauer zwischen HipHop, Folk, Subkultur und sozialem Engagement. Sascha „Psycomatic“ Hummel ist kein gewöhnlicher Rapper. Geboren und aufgewachsen im Schwarzwald, getrieben von Musik, Kunst und Geschichte, tauchte er Anfang der 1990er-Jahre tief in die HipHop- und Rap-Kultur ein – roh, ungefiltert, fernab vom Mainstream.

Seine musikalische Sozialisation reichte von Punk, Metal, Wave und Italo-Disco bis hin zu 80s Synth-Pop. Doch ein Moment änderte alles: Der Track „Ooops Up“ von Snap schlug ein wie ein Blitz. Ab da war Rap mehr als Musik – er wurde Sprache, Identität und Lebenslinie.

King Ov Kingz Rekorz – Fundament einer Bewegung

1994 gründete er King Ov Kingz Rekorz / Koka Muzik – eines der frühesten deutschen Underground-Labels. Daraus wuchs ein weit verzweigtes künstlerisches Ökosystem: Koka Brand, Koka Wear (Modelabel), Koka Grafxx (Grafikfirma) sowie seine Rolle als Mitgründer, Ideen- und Namensgeber von Distributionz/Distri, einem bis heute prägenden Vertriebsnetzwerk für Underground-Rap in Deutschland. Viele Klassiker des Deutschrap tragen seine visuelle Handschrift – Psycomatic wirkt nicht nur als Musiker, sondern auch als Archivar und Gestalter der Szene. Er hat mit zahlreichen ausgezeichneten Künstlern und Szenegrößen aus Hip Hop / Rap zusammen gearbeitet, die Platin oder Goldstatus haben: Money B of Digital Underground, Tim Dog, Bushido, Kaisa, Ice-T zusammengearbeitet. 

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600 Songs, viele Namen, ein Spirit

Mehr als 200 internationale Veröffentlichungen, nahezu 40 eigene Releases und ein Gesamtwerk von über 600 Songs sprechen eine klare Sprache: Psycomatic lebt Kunst kompromisslos.

Unter verschiedenen künstlerischen Identitäten – Psycomatic, Rapkalibur, Wurzlzapp – prägte er Crews wie D.N.A. / Depressiv N Aggressiv, TodezEngel, Schwarzwald Huzzlahzz, W8 Watch Uz und OG Allstarz.

Ende der 1990er-Jahre fand Sascha Hummel eine zweite künstlerische Heimat in der Mittelalter- und Folkszene. Es folgten Kollaborationen mit Cultus Ferox, Corvus Corax, Wolfenmond, Reliquiae sowie Ben Metzner von Feuerschwanz.

Er initiierte die beliebte Compilation-Reihe „Verbündet“ und wurde langjähriger Redakteur und Host der Mittelalter-/Folk-Sendung Rabenton bei Radio Dreyeckland. Mit Cowntree Rap und Urban Folk erschuf er sogar komplett neue Genre-Fusionen – Brücken zwischen Tradition und Moderne.

Hummel arbeitete an Filmen, Hörspielen und Musikvideos, schrieb Soundtracks und komponierte für Kino, TV und Sport. Er produzierte auch die offizielle Stadionhymne des B.G. Karlsruhe.

Inklusion, Haltung & internationale Anerkennung

Mit dem K.O.K.S. / King Ov Kingz Studio schuf er in Offenburg eine feste Basis. Er tourte mit dem weltweiten Inklusionsprojekt Krip Hop Nation durch Großbritannien, ist seit 2021 Teil der internationalen Beyond Music Bewegung und seit 2022 Jurymitglied beim Festival Mediaval.

Für seine inklusive Arbeit wurde er mehrfach für den Inklusion Plus Award nominiert. 2023 lief sein Musikvideo „Hinter Den Masken“ im Werkstattkino München innerhalb der Isar Festspiele.

„Global Change“ und Grammy-Einreichung

Kürzlich veröffentlichte Hummel die neue EP „Global Change: For Freedom And Peace“. Der Song „Naybahood (Die Welt ein Dorf) – The Global Village Anthem“ wurde nun als eines der ersten deutschen Rap-Werke für den Harry Belafonte Social Change Grammy eingereicht.

Gemeinsam mit der Sängerin Ah Moon aus Myanmar und der chinesischen Künstlerin Yu Chen verschmelzen deutscher Rap, englische Vocals und Mandarin zu einem Manifest globaler Menschlichkeit: Grenzen lösen sich auf, Vielfalt wird Stärke, Nachbarschaft wird Weltgemeinschaft. Heute Abend erscheint das neue Musikvideo zum aktuellen Song.

Die Liste der Beteiligten an der EP entspringt interkultureller Zusammenarbeit. Vichy Ratey ist Mentor, zweifacher MTV Music Award Gewinner und auch Entdecker und Produzent von Mike Singer. Memo Seyda ist ein in der Türkei lebender kurdischer Musiker aus Syrien und Jinda Kanjo ist eine Sängerin, ebenfalls aus Syrien. Dazu gesellen sich Ah Moon, die Sängerin aus Myanmar, die in Frankreich lebt und eben die chinesische Künstlerin YU, die in der Schweiz lebt.

Außerdem stand der 48-Jährige in der Ausstellung „Stories of HipHop“ im Shmuckmuseum in Pforzheim neben Ikonen wie Die Fantastischen Vier, Massive Töne und Freundeskreis im Fokus. Aktuell steuert er Exponate für die große Ausstellung „Männer und Schmuck“ (2026–2027) im Landesmuseum Württemberg bei.

Für 2026 ist zudem das erste OG Allstarz Festival gemeinsam mit der Stadt Offenburg geplant – aus seiner Idee gewachsen, mit über 50 regionalen Künstlerinnen und Künstlern aus der Ortenau, getragen von den Werten der HipHop-Kultur.

Sascha „Psycomatic“ Hummel ist mehr als ein Rapper. Er ist Visionär, Archivar des Undergrounds, Freigeist und Weltverbesserer. Seine Kunst ist echt, seine Haltung klar, seine Mission global. Oder wie er selbst sagt: „Ich bin nicht nur Künstler, ich bin Kunst.“

Nachgefragt bei…Sascha Hummel
Lieblingsessen: Springerle
Lieblingsmusik: HipHop, Rap und Mittelaltermusik, Folk, Roots Reggae, Reggaeton
Lieblingswort: Schwarzwald
Lieblingsort:
Lieblingsmoment: …alles mit Regen
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