alle Fotos: Michael Pauser
Mit ihrer Kunst Menschen tief bewegen, in Begeisterung versetzen wie ihnen auch einprägsame Momente der Besinnung, des zur Ruhekommens schenken – die Vogtland Philharmonie ist diesem Ruf in ihren vier Konzerten zum Jahreswechsel in der Greizer Vogtlandhalle und im Reichenbacher Neuberinhaus erneut bravourös gerecht geworden. Bei dem Auftakt, dem noch fünf Auftritte in Thüringen, sieben in Sachsen und zwei in der Oberpfalz folgen, dankte das Publikum mit begeistertem Beifall im Stehen.
Zu den Markenzeichen des von Kapellmeister Simon Edelmann beneidenswert sicher und biegsam geleiteten wie auch wohltuend locker moderierten Abends zählt eine augenfällige Vertrautheit mit der Musiktradition Wiens, Österreich-Ungarns überhaupt, die – so jedenfalls die Meinung der Leute vom Fach – kaum schulmäßig erlernbar ist.

Man müsse diese einmalige Mischung aus Eleganz, Melancholie, leichtem Sinn, sympathischer Vornehmheit und urwüchsiger Tanzlust schon im Blut haben, mit ihr auf die Welt gekommen sein. Die Vogtland Philharmonie, so wie sie jüngst Franz von Suppés Ouvertüre „Leichte Kavallerie“ oder die Polka schnell „Bahn frei“ von Eduard Strauß zum Klingen brachte, könnte unter die bevorzugte Kategorie fallen.
“My Fair Lady” und Klänge aus “Carmen”
Und um noch ein Zweites zu nennen: Wenn es um Melodien aus „My Fair Lady“ oder die bekannten Kabinettstücke von Leroy Anderson geht, vermag das Orchester zu swingen, dass es eine Freude ist. Schlagwerk, Blech, aber auch die anderen Register vollziehen dabei aus dem Stand eine kaum zu glaubende Wandlung, erinnern dann an die große Zeit der legendären Tanz- und Unterhaltungsorchester, die es einmal in beiden Teilen Deutschlands gab.
Zwei verpflichtete, noch jung zu nennende Gesangssolisten sorgen musikalisch wie in Sachen Bühnenpräsenz für eigene Glanzpunkte: die Sopranistin Sonja Isabel Reuter, deren Stimme auch im Fortissimo nichts an Fluss und Schönheit verliert, und Bariton Sebastian Seitz, der dank der Strahlkraft seiner hohen Lage das Zeug hat, allererste Rollen in Operette und Musical auszufüllen. Mit Konzertmeister Sergei Synelnikow, der bei tollkühnen „Carmen“-Variationen seine Violine in ungewöhnlichen Positionen virtuos zu spielen wusste, steuerte auch die Philharmonie einen begeistert aufgenommenen Solisten bei.
