Titelfoto: Stadt Plauen
Auf dem Gelände der ehemaligen DAKO an der Ricarda-Huch-Straße in Plauen gehen die bereits vor Jahren gestarteten Abbrucharbeiten weiter. Der Eigentümer setzt die 2016 angezeigte Beseitigung fort. Nachdem bisher Nebengebäude entfernt worden waren, steht nun der Abriss des Hauptgebäudes an. Welche Nutzung für das private Grundstück nach Abschluss der Arbeiten vorgesehen ist, ist der Stadt derzeit nicht bekannt.
Abriss ehemalige DAKO Plauen führt zu Straßensperrung
Im Zusammenhang mit den anstehenden Abbrucharbeiten wird die Ricarda-Huch-Straße im Bereich des Hauses Nummer 1 vollständig für den Verkehr gesperrt. Die Vollsperrung gilt vom 19. bis einschließlich 30. Januar 2026. Betroffene Anlieger und Gewerbetreibende werden direkt eingebunden. Die Abstimmungen erfolgen vor Ort durch die mit dem Abriss beauftragte Firma, um Beeinträchtigungen so gering wie möglich zu halten.
Wandelvolle Nutzungsgeschichte der ehemaligen DAKO
Das heute leerstehende und stark verfallene Gebäude blickt auf eine lange Industriegeschichte zurück. Nach dem Ersten Weltkrieg nutzte zunächst die Industriewerke AG die Produktionsstätten, später firmierte der Betrieb als Textil-Industriewerke. Ab 1950 war in dem Komplex das Werk I des VEB Plauener Damenkonfektion untergebracht. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich daraus die Plauener Damenkonfektion GmbH, ab 1992 schließlich die Bekleidungswerke Plauen GmbH. Mit der Liquidation des Unternehmens im Jahr 2005 begann der fortschreitende Verfall der Industriebrache.
Historischer Hintergrund: Von der Glühlampenfabrik zur Kartuschieranstalt
Ursprünglich wurde das dreigeschossige Gebäude bereits 1910 als Deutsche Glühlampenfabrik AG errichtet. Während des Ersten Weltkriegs veränderte sich die Nutzung grundlegend. Im Zuge der Rüstungsindustrie-Ansiedlung in Plauen richtete die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft Berlin 1917 in der ehemaligen Glühlampenfabrik eine Kartuschieranstalt ein. Dort arbeiteten vor allem Frauen in der Munitionsfertigung – ein Umstand, der später eine tragische Rolle spielen sollte.
Das Unglück von 1918 und seine Folgen für Plauen
Am 19. Juli 1918 kam es in der Kartuschieranstalt zu einem verheerenden Brand. Als wahrscheinliche Ursache gilt die Selbstentzündung von Schwarzpulver. Die Katastrophe kostete 301 Menschen das Leben, darunter 296 überwiegend junge Frauen, zudem gab es zahlreiche Schwerverletzte. Es handelt sich um den schwersten bekannten Unfall der deutschen Rüstungsindustrie im Ersten Weltkrieg. Besonders erschütternd: Das Durchschnittsalter der 221 Todesopfer aus Plauen lag bei nur 23 Jahren. Bis heute erinnert das Areal an dieses Unglück.
Trotz der historischen Bedeutung wurde dem Abriss der Industriebrache bereits 2014 zugestimmt. Ausschlaggebend waren eigentumsrechtliche Gründe sowie die Tatsache, dass es in Plauen mehrere Gedenkstätten für die Opfer des Unglücks gibt. Zudem wurde der Industriekomplex durch das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen nicht als Kulturdenkmal eingestuft. Damit bestanden aus denkmalrechtlicher Sicht keine Einwände gegen den Rückbau.
Bereits 1920 wurde auf dem Hauptfriedhof eine Grab- und Gedenkstätte eingerichtet. Diese Anlage hat die Stadt Plauen dauerhaft in Pflege und Unterhaltung übernommen. Dort fanden 223 Frauen ihre letzte Ruhestätte – ein stilles Mahnmal, das auch künftig an die dramatischen Ereignisse von 1918 erinnert.
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Historische Industriebrache in Plauen: Abriss der ehemaligen DAKO jetzt in vollem Gange

